Grindel
Reinhard Grindel bei der Bekanntgabe seines Rücktritts in der DFB-Zentrale in Frankfurt Bild © picture-alliance/dpa

Reinhard Grindel ist mit sofortiger Wirkung von seinem Amt als DFB-Präsident zurückgetreten. Er reagierte damit auf den gestiegenen Druck der vergangenen Tage. Geeignet war er für den Job von Anfang an nicht, meint unser Kommentator.

Das naheliegende Wortspiel "Luxusuhr sorgt dafür, dass Zeit des DFB-Präsidenten abläuft" möchte ich an dieser Stelle nicht weiter ausschmücken. Das 6.000-Euro-Geschenk eines befreundeten Funktionärs anzunehmen, war unklug, aber natürlich nicht der Grund für Reinhard Grindels Rücktritt. Um diesen zu verstehen, braucht es einen kurzen Blick zurück.

Im Herbst 2015 steckte der DFB tief in der Krise. Nach dem Skandal um schwarze Kassen im Zusammenhang mit der WM 2006 und dem Rücktritt des damaligen Präsidenten Niersbach war die Defensive beim größten Sportfachverband der Welt gefordert. Nur einer spielte auf Angriff: Reinhard Grindel. Als Schatzmeister brachte sich der Niedersachse in Position und stand am Ende da, wo ein Stürmer stehen muss: quasi freistehend vor dem Tor als einziger Kandidat. Eine Chance, die sich der machtbewusste Grindel nicht entgehen ließ.

Am Ende stand Grindel alleine da

Der so aus der Not geborene Präsident war aber eigentlich schon damals zum Scheitern verurteilt. Der konservative Berufspolitiker Grindel verstand es nie, den vielen verschiedenen Strömungen im deutschen Fußball gerecht zu werden. Bei den Amateuren war der gelernte Journalist nie wirklich beliebt. Und Themen wie Diversität oder Integration blieben dem 57-Jährigen irgendwie fremd. So wie nach der verkorksten WM 2018, als ihm der zurückgetretene Mesut Özil im Zuge einer unsäglichen Diskussion am Ende sogar Rassismus vorwarf. Ein haltloser Vorwurf, der aber eins deutlich machte: Grindel konnte nie verbinden, nur polarisieren. 

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Strittige Entscheidungen wie zuletzt das Nationalmannschafts-Aus der drei Bayern-Spieler kommentierte er gern, um sich später "falsch verstanden" zu entschuldigen. Seine Erfolge wie der Zuschlag für die EM 2024 waren längst verblasst und im DFB-Präsidium wuchs die Erkenntnis, den falschen Mann an die Spitze gewählt zu haben. Am Ende stand Grindel alleine da. Gedemütigt, nachdem Interna über Zusatzeinkünfte an die Presse gelangten. Ein unschönes Ende eines ungeeigneten Präsidenten. Der DFB sollte nun die richtigen Schlüsse ziehen und einen Kandidaten finden, der überparteilich und bescheiden und im Sinne der Mitglieder agiert. Leicht wird das nicht, aber man hat ja auch ein halbes Jahr Zeit.

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Sendung: hr-iNFO, 2.4.2019, 16:50 Uhr

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