Brötchen

Die Anzahl der Metzgereien und Bäckereien in Deutschland hat sich in den vergangenen zehn Jahren um ein Drittel verringert. Daran sind auch die Verbraucher schuld, kommentiert Anna Vogel.

Nah soll der nächste Bäcker sein, immer offen haben, vom Laugenbrötchen bis zum Buttercroissant bitte alles bieten, auch kurz vor Ladenschluss noch, und das soll – na logisch – am besten noch warm in den Regalen liegen. Dann wäre da aber auch noch das Wichtigste: Der Preis muss stimmen. Schließlich wächst Geld ja nicht auf Bäumen und der preisbewusste Konsument weiß, beim Supermarkt um die Ecke gibt’s all das für wenige Cent. Und manchen schmeckt es sogar gut.

Aber ist das wirklich alles? Was der Backautomat mir meistens entgegenspuckt, ist ein uniformes, blasses Ding, das in genau dieser Form an einem Tag millionenfach von irgendwelchen Angestellten in irgendwelchen Backautomaten gebacken und dann in irgendwelchen braunen Tüten mit Klarsichtfolie über die Kasse gezogen wird. Mit Brotkultur hat das schon lange nichts mehr zu tun. Mit Handwerk erst recht nicht. Und mit Vielfalt und Qualität? Kein Kommentar.

Machen 20, 30 Cent den Unterschied?

Aber warum kaufen denn dann so viele so gerne so billige Brötchen? Sind die 20, 30 Cent Unterschied bei einem Brötchen denn wirklich das, was am Ende des Monats den Unterschied macht? Gute Lebensmittel kosten nun mal! Und die Zutaten, der Strom für den Ofen und die Arbeit der Angestellten sind auch nicht umsonst.

Dass nicht jedes teure Brötchen gut schmeckt, das weiß ich auch. Und das ärgert mich genauso wie andere. Das ist für mich aber längst noch kein Grund, mich zurückzulehnen und zu behaupten, da könnte man ja gleich zu den billigen greifen. Weil: Wenn ich weiterhin auch gute Brötchen will, die mal ein wirklicher Bäcker mit seinen eigenen Händen geformt hat, dann habe ich eine Verantwortung als Konsumentin. Dann muss ich losgehen, kaufen und ausprobieren. Wenn ich das nicht tue, dann überlasse ich all den Großbäckereien und Backstationen das Feld. Und bei dem Gedanken, dass ich dann irgendwann gar keine Wahl mehr habe, was ich auf dem Frühstücksteller haben will, ist für mich eines klar: Ein gutes Brötchen ist für mich etwas, das ich mir leisten will.

Sendung: hr-iNFO, 23.4.2019, 16:30 Uhr

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