Drei Kinder sitzen mit einer Lehrerin von einer Tafel
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'Lehrermangel? Kein Problem! Unterrichtsausfall? Alles im Griff!' Die Lage an Hessens Grundschulen sei entspannt, heißt es aus dem Kultusministerium zum Schuljahresbeginn. Doch damit mache man es sich zu einfach, meint unsere Kommentatorin.

'Macht euch mal locker!' heißt es zum Schuljahresanfang aus dem hessischen Kultusministerium. 'Lehrermangel in Hessen? Kein Problem! Unterrichtsausfall? Alles im Griff! Die Lage in den Grundschulen trotz steigender Schülerzahlen? Völlig entspannt! Also kein Grund zur Sorge, liebe Eltern! Wir haben zwar keinerlei aussagekräftige Zahlen, die das belegen, aber wir wollen ja niemanden verrückt machen!'

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Lehrermangel ist Problem Nummer eins

So geht das nicht! Ich finde, da macht es sich jemand zu einfach. Lehrermangel bis ins Jahr 2025 ist das Problem Nummer eins an deutschen Grundschulen - das sagen der deutsche Lehrerverband und der Verband Bildung und Erziehung, auch Prognosen des statistischen Bundesamtes belegen das.

Hessen mag, wie Kultusminister Lorz betont, im Vergleich etwa zu Berlin oder Sachsen besser dastehen, aber deshalb darf er nicht alle Bedenken und Probleme vom Tisch wischen.

Überforderung, Unterrichtsausfälle, Quereinsteiger

Auch in Hessen gibt es verzweifelte Berichte von Lehrkräften, die von zu viel Belastung und Überforderung sprechen. Es gibt massive Unterrichtsausfälle. Viele Grundschüler*innen bekommen oft keinen Schwimmunterricht. Vor allem in Brennpunktschulen, an denen sonst niemand unterrichten mag, gibt es viele ungelernte Quereinsteiger. Inklusion und Integration steht oft nur auf dem Papier.

Sicherlich ist es gut, dass die Politik reagiert und zum Beispiel in Zukunft 135 neue Studienplätze für Grundschulpädagogik in Hessen eingerichtet werden. Doch eine Ausbildung dauert sechs Jahre, und es geht darum, jetzt dafür zu sorgen, dass alle Kinder in Hessen gute und gleiche Bildungschancen erhalten.

Fakten müssen auf den Tisch

Da reicht es nicht, vage Versprechungen zu machen. Da müssen klare Fakten auf den Tisch: Wo gibt es welchen Bedarf und wie wird dieser gedeckt? Das wäre glaubhaft und vorausschauend. So aber entsteht der Eindruck, dass hier jemand ganz gewaltig seine Hausaufgaben nicht gemacht hat.

Denn die Zahlen und Prognosen, wie viele Kinder es in diesem Schuljahr geben wird, liegen auf dem Tisch - auszurechnen, ob die Stellen dafür reichen, dürfte vor allem für ein Bildungsministerium eigentlich nicht zu schwer sein, oder?

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 12. August 2019, 6 bis 9 Uhr

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