Schild mit der Aufschrift "I am with Greta" bei einem Schülerprotest in Berlin

Ein Mädchen, ein Schild, ein Protest vor dem schwedischen Parlament: So begann vor einem Jahr Greta Thunbergs Klimaprotest. Inzwischen ist sie zu einer Ikone geworden. Doch das sei alles ein bisschen zu viel, meint unser Kommentator.

Ich bin Greta dankbar. Sie hat uns alle aufgeweckt - uns Verbraucher, aber auch viele Politiker. Seit Greta Thunberg vor einem Jahr mit ihrem Schulstreik für das Klima begonnen hat und beharrlich dabeigeblieben ist, ist das Thema endlich da, wo es hingehört: ganz oben. Endlich werden Konzepte auch in einer breiten Öffentlichkeit diskutiert.

Der Hype hilft niemandem

Und Greta hat Jugendliche politisiert. Eine Generation, der man immer nachsagte, sie interessiere sich nicht für Zukunft, nicht für Politik und auch nicht für das Klima, hat alle eines besseren belehrt. All das finde ich gut. Aber bitte: Macht keine Heilige aus Greta! Leute, wir reden über ein 16-jähriges Mädchen!

Ja, auch wir Medien haben sie längst zur Ikone einer ganzen Generation stilisiert. Ich weiß, abstrakte Debatten wie die um das Klima lassen sich einfach viel besser führen, wenn man sie an Personen festmachen kann. Wenn die Debatte ein Gesicht bekommt. Noch dazu so ein zartes, unschuldiges einer Teenagerin aus Schweden. Aber man tut damit niemandem einen Gefallen. Nicht dem Klimaschutz, nicht uns Verbrauchern und ganz sicher nicht Greta Thunberg.

Wir könnten uns endlich ums Klima kümmern

Der Greta-Fanclub ist mir aktuell genauso suspekt wie all die leidenschaftlichen Greta-Hasser. Wenn jetzt über jedes Gramm CO2 diskutiert wird, das im Zusammenhang mit dem Rücktransport der Segeljacht nach Europa entstehen könnte, ist mir das zu viel. Wenn das Auslaufen des Bootes live im Fernsehen berichtet wird auch.

Statt Greta wahlweise abzufeiern oder zu verdammen, könnten wir alle uns ja jetzt endlich um das Klima kümmern. Jeder auf seine Weise: als Politiker Rahmenbedingungen verändern, als Verbraucher sein Konsumverhalten ändern. Das würde dem Klima nutzen. Und Greta auch, wenn wir nicht alles auf sie projizieren. Ich wünsche ihr und uns sehr, dass es bald ruhiger wird um Greta Thunberg.

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Sendung: hr-iNFO Aktuell, 20.8.2019, 15 bis 18 Uhr

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