Radfahrer stehend neben Auto.
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Die Verkehrsminister der Länder wollen die Straßenverkehrsordnung ändern, um das Radfahren sicherer zu machen. Union und FDP wollen Autofahrer aber nicht benachteiligen und lehnen einen Teil der Vorschläge ab. Doch die Pläne hätten nichts mit Privilegierung von Radfahrern, sondern mit gesundem Menschenverstand zu tun, meint unsere Kommentatorin.

Endlich gibt es konkrete Vorschläge, um Radfahrern mehr Rechte zu geben und sie besser auf der Straße zu schützen. Ich fahre Auto und Fahrrad und habe die Erfahrung gemacht: Rowdys gibt es auf beiden Seiten. Wer aber im Auto sitzt, hat wenigstens ein paar Tonnen Metall als Knautschzone um sich. Auf dem Fahrrad bleibt einem nur der eigene, schutzlose Körper.

Wer heute mit dem Fahrrad unterwegs ist, lebt gefährlich. Ich weiß, wovon ich spreche: Ich wurde beim Radfahren schon mehrmals von Autos fast gestreift, der Schreck saß tief und ich bin dabei nicht 'wie die Sau' gefahren. Da ist ein Mindestabstand von 1,50 Meter, wie ihn die Länder fordern, überlebenswichtig.

Auch für Klimaschutz wichtig

Es wird auch helfen, Crashs zu vermeiden, wenn Lastwagen beim Rechtsabbiegen in der Stadt Schrittgeschwindigkeit fahren. Eigentlich ist das gesunder Menschenverstand und hat nichts mit einer Privilegierung von Radfahrern zu tun. Im Gegenteil: Es sind noch viel zu wenige Autos und Lkw auf Fahrradfahrer eingestellt. Und nein, Radfahrer stiften nicht automatisch Verwirrung, wenn sie in Einbahnstraßen, wo Tempo 30 gilt, in beide Fahrtrichtungen radeln können.

Außerdem wird es den Kommunen helfen, besser planen zu können und Pilotprojekte zu testen, wenn der Radverkehr noch detaillierter als bisher in den Verkehrsplänen eingezeichnet wird. Und noch etwas: Bekenntnisse zum Klimaschutz und Sympathien mit demonstrierenden Schülern, die genau das fordern, gibt es ja genügend. Als ehemaliger Öko-Vorreiter sollte Deutschland aber auch konkret etwas dafür tun. Dazu gehört auch, das Radeln sicherer zu machen und damit gleichzeitig attraktiver.

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"Fahrradfreundliche Novelle" der Verkehrsminister

Die Verkehrsminister der Länder wollen eine "fahrradfreundliche Novelle" auf den Weg bringen und schlagen dazu 15 Punkte vor. Die wichtigsten Vorschläge im Überblick:

  • Autos und Lkw, die Fahrradfahrer im Straßenverkehr überholen, müssen einen Mindestabstand von 1,50 Meter halten.
  • Lastwagen in Ortschaften und Städten dürfen nur noch in Schrittgeschwindigkeit rechts abbiegen, um Unfälle mit Radfahrern zu vermeiden.
  • Die Einführung von Tempo 30-Zonen soll in Straßen erleichtert werden, in denen viele Fahrradfahrer unterwegs sind oder die als Radschulweg gelten.
  • Fahrradfahrer sollen zukünftig auch nebeneinander fahren dürfen, sofern sie den Verkehr nicht behindern.
  • Fahrradfahrer sollen prinzipiell Einbahnstraßen in Tempo 30-Zonen in beide Fahrtrichtungen befahren dürfen, sofern diese breit genug sind.
  • Kinder unter acht Jahren, die in Begleitung von Erwachsenen unterwegs sind, sollen auf Straßen mit einem Tempolimit von 30 km/h fahren dürfen.
  • An Kreuzungen und Einmündungsbereichen soll das Parken im Abstand von fünf Metern vor Beginn der Einmündung verboten werden, um bessere Sicht für die Verkehrsteilnehmer zu gewährleisten.  Hintergrund: 20 Prozent der Radunfälle passieren zwischen geradeausfahrenden Radfahrern und abbiegenden Fahrzeugen.
  • In die Straßenverkehrsordnung soll zukünftig die „Vision Zero“  verankert werden. Sie ist Teil des Koalitionsvertrages und hat als Ziel null Verkehrstote in Deutschland.
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Sendung: hr-iNFO, 5.4.2019, 16:10 Uhr

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