Ein Mann pipettiert in einem Labor des biopharmazeutischen Unternehmens Curevac eine blaue Flüssigkeit.

Ob und wann ein Corona-Impfstoff kommt, ist unklar. Trotzdem scheint das Prinzip Hoffnung die Politik zu leiten. Doch das sei keine gute Basis für verantwortungsvolles Handeln, meint unser Kommentator.

"Ein Impfstoff wird kommen. Bald und ausreichend verfügbar." Ich finde ja gut, dass die Politik so optimistisch ist. Aber wenn man ehrlich ist, dann ist es eben genau das: Optimismus. Man könnte auch sagen: Hoffnung. Denn wann genau ein Impfstoff vorliegt – ob überhaupt –, das kann ehrlicherweise niemand exakt sagen.

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Klar wurde viel Geld in die Forschung gebuttert, die ersten Phasen gleich mehrerer Hersteller stimmen tatsächlich "hoffnungsvoll". Ich finde aber: Hoffnung ist kein gutes Prinzip für verantwortungsvolle Politik. Es kann sogar fahrlässig sein. Und deshalb wäre mir wichtig, dass es auch einen Plan B gibt. Einen Plan, der davon ausgeht, dass uns Corona erstmal erhalten bleibt und wir auch ohne Impfstoff lernen müssen, damit zu leben.

Keine asozialen Strategien

Was dabei meiner Meinung nach gar nicht geht, ist die Strategie der Herden-immunität ohne Impfstoff. Also die Hoffnung, dass sich über kurz oder lang so viele Menschen infiziert haben und immun werden, dass sich das Virus dann nicht mehr so gut verbreiten kann. Die anderen – gemeint sind vor allem die Risikogruppen –, die müssten dann eben konsequent isoliert werden. Das finde ich – mit Verlaub – asozial.

Eine solche Strategie spielt mit dem Leben vieler. "Unkontrollierte Durchseuchung" ist nämlich in erster Linie eines: unkontrolliert. Und hat sich jemand mal überlegt was das für Mitglieder der Risikogruppe bedeutet? Dauerhaft abschirmen? Wie soll das gehen? Geschätzt hat etwa ein Drittel der Bevölkerung ein erhöhtes Risiko – aus ganz unterschiedlichen Gründen. Nein, das kann es aus meiner Sicht auch nicht sein.

Geduld und AHA-L

Was also tun? Nun, mein Vorschlag wird vielen nicht gefallen, denn er ist langweilig, mühsam und unpopulär. Er heißt: Geduld. Akzeptieren, dass wir Corona so schnell nicht loswerden. Weitermachen mit Achtsamkeit und Gelassenheit. Freiheit wagen, wo es vertretbar ist. Uns ansonsten mit den Einschränkungen arrangieren und leben mit AHA-L: Abstand, Händewaschen, Alltagsmasken, Lüften. Und uns nicht spalten lassen: in "Team Sicherheit" und "Team Freiheit". Denn beides gehört zusammen.

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Sendung: hr-iNFO Aktuell, 22.10.2020, 6 bis 9 Uhr

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