Eine Tastatur mit der roten Taste "Hate speech"

Für die einen bedeutet es Freiheit, andere sehen das Internet zunehmend als Problem – als rechtsfreien Raum. Unser Autor hat Vorschläge, wie wir das Netz wieder zu einem besseren Ort machen.

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Man muss in den sozialen Netzwerken nicht lange suchen, um den Hass zu finden. Ein paar Klicks reichen aus und schnell findet er sich in den Kommentaren bei Facebook, Youtube, Twitter und Co. Für mich ist das ein gutes Beispiel dafür, dass der Traum der grenzenlosen Freiheit des Internets ausgeträumt ist. Das bedeutet, wir müssen anfangen, umzudenken.

Viele sagen, die Anonymität sei das Problem, hinter der sich jeder Kommentarschreiber verstecken könne. Manche fordern deshalb zum Beispiel einen strikten Klarnamenzwang im Netz. Aber das ist der falsche Weg. So ein Gesetz hat es schon mal gegeben, und zwar in Südkorea. Das Ergebnis war, dass die Hasskommentare prozentual nur sehr leicht zurückgegangen sind. Das Verfassungsgericht des Landes kippte das Gesetz wieder, weil es die Meinungsfreiheit eingeschränkt sah.

"Der Hass ist gut fürs Geschäft"

Ein Klarnamenzwang hätte negative Auswirkungen für uns alle. Nicht nur für Whistleblower, Journalisten oder Dissidenten. Es würde auch für jeden einzelnen von uns bedeuten, dass er mit seinem Klarnamen identifizierbar ist, wenn er zum Beispiel nach sexuellen Vorlieben im Internet sucht oder sich Medikamente für eine schwere Krankheit bestellt.

Das Problem des Hasses im Internet ist also nicht die Anonymität. Das Problem ist der Hass selbst. Und, dass Unternehmen wie Facebook von ihm profitieren. Emotionale und polarisierende Beiträge werden in den sozialen Netzwerken stärker diskutiert und geteilt. Dadurch entsteht mehr Datenverkehr und dadurch bekommen Facebook und Co. noch mehr Daten, mit denen sie letztlich ihr Geld verdienen. Die sozialen Netzwerke haben also ein Interesse daran, dass es in den Diskussionen heiß hergeht. Überspitzt könnte man sagen, der Hass ist gut für die Geschäfte von Facebook, Youtube und Twitter.

Drei Besserungsansätze

Die sozialen Netzwerke sind zwar mittlerweile dazu verpflichtet, Hasskommentare zu löschen. Aber wäre es nicht besser, würden die Algorithmen den Hass gar nicht erst nach oben pushen? Das wäre der erste Ansatz, die sozialen Netzwerke dazu zu bringen, die Algorithmen zu verändern. Der zweite Ansatz ist, Alternativen zu Facebook und YouTube zu fördern und zu unterstützen. Projekte und Ideen gibt es bereits, die es nicht in erster Linie auf die Daten der Nutzer abgesehen haben.

Der dritte Ansatz wäre, die Strafverfolgung bei Hasskommentaren deutlich zu verbessern, also die Justiz zu stärken. Eins ist jedenfalls klar: Wir können das Internet nicht sich selbst überlassen – wir müssen daran arbeiten, es zu einem besseren Ort zu machen.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 29.10.2019, 6-9 Uhr

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