Der Edersee ist trocken gefallen.

Detailliert wie nie zuvor beschreibt der Weltklimarat, wie die Landnutzung die Erderwärmung vorantreibt - und fordert eine dringende Kehrtwende. Dabei geht es nicht darum, die Natur als schöne Sache zu erhalten, sondern um unsere Versorgung mit Lebensmitteln und Wasser.

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Zum Artikel Kein "Weiter so": Der Weltklimarat und seine dürren Aussichten

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In Sachen Klimawandel müssen wir endlich aufwachen. Und den Worten Taten folgen lassen. Das ist die Kernbotschaft dieses Sonderberichtes des Weltklimarats. Der Text beschreibt, wie sich der Klimawandel auf die Landflächen auswirkt und welchen Effekt die Landnutzung durch den Menschen auf den Klimawandel hat. 

Dabei handelt es sich nicht etwa um die Studie irgendeines vielleicht ideologie-getriebenen Öko-Instituts. Der Bericht ist die Zusammenfassung des derzeitigen Wissenstands. Wissenschaftler aus aller Welt haben die Erkenntnisse aus 7.000 Veröffentlichungen zusammengetragen. Und der Text wurde abgesegnet von Vertretern aus 195 Ländern. 

Immer mehr Hitzeperioden und Dürren

Der Bericht macht klar, wie stark der Boden schon jetzt belastet ist durch die steigende Erderwärmung und zusätzlich gestresst wird durch die nicht nachhaltige Nutzung durch den Menschen. Auf 1.200 Seiten steht etwas von immer häufigeren Hitzeperioden und Dürren, die fruchtbare Böden zu Steppen oder Wüsten machen oder von extremen Niederschlägen, die Ackerland einfach wegschwemmen.

Und wir erfahren, wie gleichzeitig die Landwirtschaft die Böden auslaugt oder sogar zerstört. Und schließlich wird erklärt, wie durch Tierhaltung die Erwärmung der Erde verstärkt wird - vor allem durch die Haltung von Rindern, die bei der Verdauung Methan erzeugen. Ein Gas, das viel klimaschädlicher ist als CO2. Etwa ein Viertel der weltweit produzierten Treibhausgase stammen aus der Landwirtschaft. Als wäre das nicht schon schlimm genug, werden Wälder, die Kohlendioxid binden können, weiterhin abgeholzt.

Wir sägen am Ast, auf dem wir sitzen

Ein Umweltschützer sprach von Alarmstufe rot. Denn es geht nicht nur um die Erhaltung der Natur als eine schöne idyllische Sache, sondern wir Menschen sägen an dem Ast, auf dem wir sitzen. Dieser Umgang mit dem Land gefährdet letztlich unsere Versorgung mit Lebensmitteln und mit Wasser. Ganze Lebensräume sind dadurch bedroht. 

Doch der Weltklimarat stimmt nicht das große Klagen an. Er macht uns sogar Hoffnung, dass wir das Ruder noch herumreißen können. Würden wir anders mit unseren Böden und mit unseren Ressourcen umgehen, dann ließen sich auf den bereits jetzt genutzten Flächen genug Nahrungsmittel produzieren, um sogar eine weiter wachsende Erdbevölkerung satt zu bekommen. Und dem Klimawandel könnte sogar entgegengewirkt werden. 

Handlungsanweisungen für Politiker

Die Politiker in aller Welt bekommen mit dem Sonderbericht klare Handlungsanweisungen mit auf den Weg: Sie müssen dafür sorgen, dass der Umgang mit dem Boden sorgfältiger wird. Statt Wälder abzuholzen, muss aufgeforstet werden. Moore dürfen nicht mehr trocken gelegt werden. Landwirtschaft muss wirklich nachhaltig werden. Die massenhafte Haltung von Tieren muss reduziert werden.

Spätestens da sind auch wir als Verbraucher gefragt. Es geht los mit dem Speiseplan: Auf unsere Teller soll weniger Fleisch, das würde nicht nur der Natur, sondern auch uns gut tun, denn letztlich sei fleischärmer gesünder. Und das ist nur der Anfang. Auf Worte müssen Taten folgen, so der Weltklimarat. Sein Bericht ist der Weckruf dazu. 

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Der Kommentar spiegelt die Meinung des Autors und nicht die der Redaktion wider.

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Sendung: hr-iNFO Aktuell, 8. August 2019, 15 bis 18 Uhr

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