Tafel Armut
Bild © picture-alliance/dpa

Die nächste Bundesregierung von Union und SPD will mehr gegen die Armut tun. Im Koalitionsvertrag gebe es dafür gute Ansätze, findet unser Korrespondent, aber es reiche nur aus, um den Zustand erträglicher zu machen.

„Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben“ – damit hat die CDU Wahlkampf gemacht. Und bis heute sagen vor allem CDU-Politiker bei jeder Gelegenheit: Deutschland geht es gut, auch dank uns, dank Angela Merkel und damit das so bleibt, regieren wir weiter. Ja, Deutschland geht es gut, wenn man die Zahlen anschaut. Wirtschaftswachstum, Arbeitslosenquote – sieht alles gut aus. Aber es ist nicht alles gut in Deutschland. Denn sonst würden sich an der Essener Tafel nicht Rentner mit Flüchtlingen um abgelaufene Joghurts kloppen.

Gerade das ist doch der Skandal, dass es immer mehr Filialen der Tafelvereine gibt, die immer mehr Kunden versorgen. Ehrenamtliche als verlängerter Arm des überforderten Sozialstaats. Und das, obwohl die Wirtschaftsdaten so gut sind wie selten zuvor. Es gibt Armut im reichen Deutschland. Bei alten Menschen, bei Kindern, bei Deutschen, bei Geflüchteten. Und das darf nicht totgeschwiegen werden. Tut zum Glück auch der Koalitionsvertrag nicht.

Ursachenbekämpfung fehlt

Da sind gute Ansätze drin. Allein schon, dass zum Beispiel das Wort Kinderarmut immerhin dreimal auftaucht, ist ein Fortschritt. 2013 fehlte es noch komplett. Es zeigt, dass die Existenz von den Politikern erkannt wurde. Es stehen auch konkrete Maßnahmen im Vertrag: Aufstockung des Schulstarterpakets für Schulmaterial. Ok. Erhöhung des Kinderzuschlags, klar, sinnvoll. Auch bei Altersarmut ist einiges geplant: die Grundrente zum Beispiel und Verbesserungen bei der Erwerbsminderungsrente. Das könnte wirklich etwas bringen.

Aber es sind überwiegend Maßnahmen, die bestehende Armut erträglicher machen. Ich finde, es darf nicht nur darum gehen, staatliche Transferleistungen zu erhöhen. Besser wäre es, die Ursachen für Armut stärker zu bekämpfen: Gute Bildung, damit nicht lange Arbeitslosigkeit droht. Gute Arbeit, bei der man etwas für das Alter beiseite legen kann. Sozialer Wohnungsbau, damit einen die Miete nicht arm macht.

Weitere Informationen

Redaktioneller Hinweis

Der Kommentar gibt allein die Meinung des Autors und nicht der Redaktion wider.

Ende der weiteren Informationen

Sendung: hr-iNFO, 12.3.2018, 6:50 Uhr

Weitere Informationen

Mehr zum Thema

Armut in Deutschland: Die Gerechtigkeitslücke klafft

Ende der weiteren Informationen
Jetzt im Programm