Eine benutzte medizinische Maske liegt vor der Einfahrt zum Bundeskanzleramt. (dpa)

In der Pandemie-Bekämpung zeigt es sich immer wieder: Deutsche Politiker sind zu risikoscheu, weil sie Angst vor Fehlern und dem Verlust des eigenen Postens haben. Gerade in einer Notlage ist dieses Zögern aber hochgefährlich.

Es ist ein Mantra der deutschen Politik: Sicherheit muss über allem stehen. Aber was versteckt sich dahinter? Die Angst Fehler zu machen. Verantwortung zu übernehmen. Und in letzter Konsequenz auch: den geliebten Ministerposten zu räumen, wenn Fehler gemacht werden. Dazu braucht es Mut. Und der fehlt der Politik zurzeit am meisten.

Mehr Risiko, bitte!

Politiker sollten bereit sein, persönlich stärker ins Risiko zu gehen. Politiker müssen oft harte und sehr schwierige Entscheidungen treffen, dafür sind sie auch gewählt. In Notlagen wie diesen geht es aber - noch mehr als sonst auch - um das Allgemeinwohl, nicht um die politischen Karrieren einzelner Minister. Beispiel Astrazeneca: Der Impf-Stopp war ein Fehler, weil das Sterberisiko durch Covid-19 wesentlich höher ist als durch nur vermutete Nebenwirkungen der Impfung. Jeder Tag Verzögerung bei den Impfungen kostet Menschleben.

Fehlender Mut und eine falsche Risikoabwägung verzögern die Corona-Bekämpfung ein ums andere Mal. Das Virus nutzt diese verlorene Zeit gnadenlos aus. Die Deutschen sind risikoscheu. Zu scheu. Und das ist in einer Pandemie gefährlich, weil auch zu viel Vorsicht Menschenleben kosten kann. Wir brauchen einfach mehr Tempo.

Wettlauf mit der Zeit

Und dann die Diskussion, ob niedergelassene Ärzte impfen sollen oder nicht. Erstens stellt sich die Frage zurzeit nicht, weil nicht genug Impfstoff vorhanden ist, den Hausärzte verimpfen könnten. Und wenn er da ist: Selbstverständlich müssen sie impfen, je schneller desto besser. Denn das Virus interessiert sich nicht für Impfreihenfolgen und ethische Fragen. Es ist ein Wettlauf mit der Zeit. Und deshalb gilt: zu viel Vorsicht und zu langes Zögern kann auch tödlich sein.

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