Symbolische Atommüllfässer stehen unweit vom ehemaligen Erkundungsbergwerk Gorleben im Wald.

Deutschland sucht das Endlager. Den Weg dorthin soll die Wissenschaft weisen. Das größte Problem wird am Ende aber doch die Politik sein, prognostiziert unser Autor.

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Zum Artikel Drum prüfe, wer sich ewig bindet…- die Suche nach dem Atom-Endlager

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Besser spät die richtige Entscheidung treffen - als nie. Die Endlagersuche ging mit einem großen Fehler los: Gorleben Ende der 70er Jahre zum Endlagerstandort zu bestimmen, das war falsch. Die Politik hat die Bürger damals nicht beteiligt, sie hat nur auf Macht gesetzt, statt mit Argumenten zu überzeugen, vor allem aber sorgen geologische Probleme dafür, dass der Salzstock von Gorleben als Endlager unbrauchbar ist. Kurz: er ist nicht ganz dicht, das Grundwasser dort könnte radioaktiv verseucht werden. Der Zwischen-Bericht zur Endlagersuche erkennt die Fakten nun endlich an - späte Genugtuung für all die Menschen, die seit Jahrzehnten gegen Gorleben protestieren. Gorleben ist raus. Gut so.

Die aktuelle Entscheidung kann auch eine vertrauensbildende Maßnahme sein, in einem Prozess, in dem lange nur Vertrauen zerstört wurde. Ab jetzt soll die Wissenschaft den Weg bestimmen. Transparent soll es zugehen, Kritik soll Gehör finden, wenn ein lokaler Geologe mehr weiß über den Salzstock xy oder das Tongestein nebenan - her mit den Erkenntnissen!

Klar, Protest wird es geben

Doch das größte Problem wird die Politik bleiben. Beispiel Bayern. Endlager ok, aber nicht bei uns! Das hat sich die Staatsregierung dort sogar in den Koalitionsvertrag geschrieben. Und Ministerpräsident Söder sät heute schon Zweifel am neuen Verfahren. Er beschwert sich, weil jetzt zwei Drittel der Fläche von Bayern noch für ein Endlager infrage kommt - das darf nicht sein, findet Söder! Doch, darf es. 80 Prozent von Niedersachsen sind auch noch im Spiel, die Hälfte der Fläche Deutschlands kommt aktuell noch infrage. Erst Schritt für Schritt sollen weniger geeignete Standorte wegfallen, immer nachvollziehbar begründet. Das ist der Sinn. Nur so kann Akzeptanz wachsen.

Je kürzer die Liste von möglichen Standorten wird, desto wahrscheinlicher wird es, dass Politiker versuchen, den Unmut und die Angst im eigenen Bundesland oder Kreis für sich zu nutzen. Und klar, Protest wird es geben. Da hilft nur: ein gutes und faires Verfahren. Und das stete Erinnern ans Gemeinwohl. Denn: Irgendwo muss der strahlende Müll halt hin. Und so schwer es auch fällt, das anzuerkennen: Fehler passieren. Wichtig ist, dass Politik aus ihnen lernt. Die Vorzeichen dafür sind gut. Aber der schwierige Teil kommt erst noch.

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Sendung: hr-iNFO Aktuell, 28.09.2020, 18-20 Uhr

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