Das WM-Stadion Luschniki
Im Stadion Luschniki wird am Donnerstag das Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft angepfiffen. Bild © picture-alliance/dpa

Die Bundesliga macht Pause, der Fußball nicht. Seit 14. Juni rollt der Ball bei der Weltmeisterschaft in Russland. Unser eigentlich sportbegeisteter Kollege schaut sich das Spektakel nicht an. Hier erklärt er, warum.

Ich liebe Sport. Auch und insbesondere den Fußball. Er ist für mich gemeinsam mit Basketball die grazilste Form des Wettbewerbs. Ein artistischer Seitfallzieher, eine rettende Grätsche in höchster Not, eine kleine Finte, um den Gegner ins Leere laufen zu lassen: Es gibt so viele Facetten dieses Spiels, die mir regelmäßig das Herz höherschlagen lassen. Die Weltmeisterschaft 2018 in Russland werde ich trotzdem nicht schauen.

Endlich noch mehr Fußball

Obwohl ich den Fußball liebe, hat sich bei mir als Zuschauer in den vergangenen Jahren eine Art Sättigung eingestellt. Denn wenn es in Deutschland um Sport geht, geht es gefühlt immer nur um Fußball. Und es wird immer mehr. Die Bundesliga wird seit 2009 durch Relegationsspiele künstlich verlängert. Die Champions League hat schon lange nichts mehr mit den "Champions" der jeweiligen Landesverbände zu tun.

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Selbst der Bundesliga-Vierte spielt inzwischen in einem Wettbewerb, der ursprünglich für die Landesmeister gedacht war. Mehr Teilnehmer bedeuten eben auch mehr Einnahmen – und das scheint das Einzige zu sein, was überhaupt noch zählt. Das hat man übrigens auch bei der Fifa begriffen: Bei der Weltmeisterschaft 2026 in Mexiko, Kanada und den USA werden erstmals 48 statt wie bisher 32 Nationen teilnehmen. Na endlich: noch mehr Fußball!

Hauptsache die Show stimmt

Und da wir gerade bei der Fifa sind: Niemand kann sagen, dass bei der Vergabe der kommenden beiden Weltmeisterschaften nach Russland und Katar (2022) alles sauber abgelaufen ist. Neun der Vorstandsmitglieder, die die Vergabe mittrugen, sind inzwischen der Korruption oder mindestens der Mitwisserschaft überführt. Bei 13 weiteren gibt es zumindest Indizien, die gegen ihre Rechtschaffenheit sprechen. An der WM-Vergabe änderten alle späteren Erkenntnisse: nichts. The show must go on. Aber eben ohne mich.

Ich werde diesen Sommer nutzen, um tatsächlich eine Pause vom Fußball zu nehmen, damit ich mich zur kommenden Saison dann umso mehr freuen kann, dass es endlich wieder losgeht. Auf Sport muss ich trotzdem nicht verzichten. In Wimbledon wird im Juli das wohl prestigeträchtigste Tennis-Turnier der Welt ausgetragen; die American-Football-Saison ist in Deutschland in vollem Gange; und das Tollste überhaupt: Man muss nicht immer nur Sport schauen. Man kann auch einfach rausgehen und selbst Sport treiben – ja, vielleicht sogar Fußball spielen. Ganz ohne Kommerz und Fifa.

Redaktioneller Hinweis: Der Kommentar gibt allein die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion.

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Sendung: hr-iNFO, 14.06.2018, 6 Uhr

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