Kinder lesen

Kinder lesen gern und sind dabei hochkonzentriert: Die Ergebnisse der Kinder-Medien-Studie 2019 klingen gut. Besonders in einem Punkt bestehen aber Zweifel, ob sie die Realität vollkommen abdecken, meint unser Kommentator.

Auf den ersten Blick sieht das alles ziemlich gut aus, die Ergebnisse der Kinder-Medien-Studie 2019. Demnach gehört Lesen zu den liebsten Freizeitbeschäftigungen von Kindern zwischen 6 und 13 Jahren. So steht es in der Pressemitteilung.

Zweifel, dass Studie die Realität abdeckt

Drei Viertel der Kinder lesen laut Studie gern Kinderzeitschriften und sie sind dabei hochkonzentriert. Neun von zehn Kindern sagen, dass sie Spaß an der Lektüre haben und auch viel lernen. Die Eltern finden Kinderzeitschriften besonders vertrauenswürdig und halten das Lesen für eine sinnvolle Beschäftigung. Außerdem gelinge den Kindern die Balance zwischen analoger und digitaler Welt.

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Ja, so wünsche ich mir meine Kinder auch: ständig am Lesen, immer hochkonzentriert, lernwillig. Und schon im Alter von acht Jahren so verständig, dass sie immer wissen, was gerade gut für sie ist. So ist es aber nicht - zumindest nicht immer. Und besonders in einem Punkt habe ich Zweifel, dass die Studie die Realität vollkommen abdeckt. Nämlich bei den Computerspielen.

Computerspiele nicht aufgeführt

Meiner Erfahrung nach spielen sie - sei es nun am klassischen Computer oder über das Handy - eine ziemlich große Rolle. Ständig diskutiert man mit den ja glücklicherweise sehr selbstbewussten Kindern, wann es denn mal genug ist. Wann die Hausaufgaben gemacht werden. Dass die verabredeten 20 Minuten jetzt seit 30 Minuten vorbei sind. Von anderen Eltern höre ich Ähnliches. In der Studie aufgeführt ist der Faktor Computerspiele aber nicht. Gar nicht.

Erst auf Nachfrage heißt es, dass viele Kinder mehrmals pro Woche spielen, bei den 13-Jährigen schon 76 Prozent. Das klingt plausibel. Denn in anderen Studien wie der JIM Studie steht, dass Gaming stark bei Kindern und Jugendlichen im Alltag verankert sei, dass nur ein Zehntel aller Jugendlichen nie spiele.

Aber es liegt am Fokus dieser Studie, dass das nicht erwähnt wird. Denn Computerspielen gehört nicht zu den Top 3 Freizeitaktivitäten. Am beliebtesten: 1) das Schauen von Filmen, Serien oder Fernsehsendungen, 2) Musik, Radio oder Hörbücher hören, 3) lesen.

Auftraggeber sind vor allem am Lesen interessiert

Und besonders am Lesen und am Thema Zeitschriften haben die Auftraggeber Interesse: sechs große Medienverlage, unter ihnen der Spiegel-Verlag und der Zeit Verlag. Gefragt wird nur nach den Zeitschriften, die in den erwähnten Verlagen erscheinen sind. Das ist auch konsumtechnisch interessant, denn Kinder haben insgesamt viel Geld zur Verfügung, mehr als drei Milliarden Euro aus Taschengeld und Geldgeschenken pro Jahr.

Es ist natürlich nicht verwerflich, als Auftraggeber nach den Dingen fragen zu lassen, die einen interessieren. Die Ergebnisse sind zum Teil auch interessant. Aber ich finde, die Schlussfolgerungen in Sachen Leselust wirken etwas geschönt: eher, wie die Verlage sich die Welt wünschen - weniger, wie sie wirklich ist.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 6.8.2019, 15 bis 18 Uhr

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