Eine Maske hängt an einem Tisch im Klassenzimmer am Haken, an dem früher die Schultaschen hingen. Im Hintergrund sind unscharf Schüler mit Masken an Tischen sitzend zu sehen.

Die Situation an Hessens Schulen ist geprägt von vielen Problemen: vom Lehrkräftemangel bis hin zu fehlenden Luftfilteranlagen. Und noch immer fehlt eine schlüssige Antwort zum Umgang mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie.

Die Landesschüler*innenvertretung, der Landeselternbeirat sowie die GEW Hessen äußerten sich besorgt zu der Situation an den hessischen Schulen. Mit Verwunderung und Unverständnis haben sie zur Kenntnis genommen, dass die Landesregierung mitten in den Ferien eine Kehrtwende hinsichtlich der schulischen Präventionsmaßnahmen vollzogen hat. So verkündete das Kultusministerium, dass es für das neue Schuljahr ausschließlich Präsenzunterricht plant. Kurz vor den Sommerferien hatte es noch geheißen, dass ab einer Inzidenz von 50 eine allgemeine Maskenpflicht im Unterricht gelten soll, ab 100 Wechselunterricht.

"Versäumt, gute Konzepte für Wechselunterricht zu erstellen"

Diese Abkehr von einem Stufenplan in Abhängigkeit vom Infektionsgeschehen ist auch deswegen problematisch, weil nach den Rückmeldungen aus den Schulen nach wie vor die Mehrzahl der Klassen- und Fachräume nicht mit Luftfilter- oder Luftdesinfektionsanlagen ausgestattet ist. Die große Mehrheit der Schülerinnen und Schüler besitzt auch noch keinen Impfschutz. Zu diesen Schlüssen kamen die gesetzlichen Vertretungen der Schülerinnen und Schüler sowie der Eltern gemeinsam mit der Bildungsgewerkschaft GEW.

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Eine Schutzmaske liegt auf einer Federtasche in einer Schule. (dpa)
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Landesschulsprecherin Jessica Pilz äußerte sich wie folgt: „Es wurde versäumt, gute Konzepte für den Wechselunterricht zu erstellen. Einen ‚Plan B‘ scheint es im Kultusministerium wieder einmal nicht zu geben. Daran wäre über die Sommerferien mit Hochdruck zu arbeiten gewesen. Nur Präsenzunterricht zu planen, ist ein Wiederholungsfehler.“ Darüber hinaus seien auch die allgemeinen Hygienemaßnahmen nicht ausreichend, beispielsweise was die Reinigung der Toiletten im laufenden Schulbetrieb anbelange. Hierzu müssten die Schulträger fest angestellte Reinigungskräfte engagieren. „Wir fordern zudem die Bereitstellung hochwertiger FFP2-Masken für Schülerinnen und Schüler, denn auch das tägliche Wechseln der Masken ist ein Beitrag, um den Schulbetrieb sicherer zu machen. Damit würde sozialer Ungleichheit entgegengewirkt und Hygiene in der Schule vereinfacht“, so Jessica Pilz weiter.

Impfung nur eine von mehreren Säulen

Die inzwischen erfolgte allgemeine Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission ab einem Alter von zwölf Jahren hat laut Volkmar Heitmann, Vorsitzender des Landeselternbeirats, für Eltern und deren Kinder Klarheit gebracht. Die Frage des Impfens dürfe jedoch nicht das Unterrichtsgeschehen belasten: „Konflikte, die sich aus diesem Themenkreis ergeben, gehören nicht in die Schule. Impfen ist keine schulische Veranstaltung.“

Der individuelle Impfstatus dürfe keinen Einfluss auf den Schulalltag haben: „Eine Impfentscheidung muss weiterhin persönlich getroffen werden und die Schule sollte keinen Druck ausüben. Dies spricht aber nicht gegen niedrigschwellige Angebote, beispielsweise mit Impfbussen an Schulen außerhalb der Unterrichtszeit und mit ausführlicher ärztlicher Beratung, welche durchaus zu begrüßen sind. Die Impfung ab zwölf Jahren kann für diese Altersgruppe zu sicherem Präsenzunterricht beitragen, sollte dabei jedoch lediglich eine von mehreren Säulen darstellen.“

GEW: Zusätzliche Förderangebote erforderlich

Nach Einschätzung der Vorsitzenden der GEW Hessen, Birgit Koch, sind nun zusätzliche Förderangebote erforderlich: „Dabei geht es nicht nur um das Aufholen von Lernrückständen, sondern auch um soziales Lernen sowie die körperliche und die psychische Gesundheit. Die individuelle Förderung muss in den schulischen Alltag integriert werden. Sie sollte vorrangig in kleinen Gruppen stattfinden und zudem langfristig angelegt sein. Dazu braucht es eine echte Doppelbesetzung in den Klassen und mehr Personal an den Schulen.“

Es gäbe nach wie vor eine vierstellige Zahl an voll ausgebildeten Lehrerinnen und Lehrern, die auf ein Einstellungsangebot des Landes warten. Allerdings bestünden im Grundschullehramt sowie in den Lehrämtern für die Berufsschule und die Förderschule ein massiver Lehrkräftemangel. „Notwendig ist daher ein Einstellungsangebot an die vorhandenen ausgebildeten Lehrkräfte einerseits und mehr Anstrengung bei der Ausbildung in den Mangellehrämtern andererseits“, schloss Birgit Koch.

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Der Kommentar spiegelt die Meinung der Autorin und nicht die der Redaktion wider.

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