Ein luftleerer roter SPD-Luftballon liegt auf dem Kopfsteinplaster vor der Frauenkirche bei einem Europaforum im Wahlkampf zur Europawahl.
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"Wir haben verstanden": Das ist die zentrale Botschaft, die die SPD jetzt nach außen trägt. Wenn das wirklich so ist, muss es endlich um Inhalte gehen. Doch Skepsis ist angebracht.

Wir haben verstanden – das ist heute die zentrale Botschaft der SPD. Es ist die Botschaft jener zerknirschten Genossen, die eine neue Art des Umgangs miteinander einfordern, weil der zuletzt teilweise "unmenschlich" gewesen sei. Es ist die Botschaft der Parteiführung, die jetzt demonstrativ ein Dreier-Team aufgestellt hat, um den Übergang zu organisieren. Schluss mit Einzelkämpfertum, her mit Stärke und Einigkeit à la Drei Musketiere.

Und es ist die Botschaft all jener, die mal wieder von ihrer Partei mehr inhaltliche Klarheit einfordern. "Wir haben verstanden" also allerorten. Nur: Hat die SPD wirklich verstanden? Noch sind viele Fragen offen, mehr Klarheit dürfte es Ende des Monats geben, wenn der Parteivorstand wichtige Weichenstellungen vornehmen will.

Skepsis ist angebracht

Aber Skepsis ist angebracht. Thema Umgang miteinander: Da gelobt die SPD schon seit langem Besserung, zuletzt vor gut einem Jahr, nachdem Ex-Kanzlerkandidat und Ex-Parteichef Martin Schulz von Hundert auf Null abstürzte. Ja, das geschah vor allem aufgrund seiner eigenen Fehler, aber es wurde genüsslich unterstützt von manchen Parteigenossen. Viel gelernt zu haben scheint die SPD daraus nicht.

Thema Teamplay: Das Signal mit den drei Übergangsparteichefs ist ja gut und schön - dass sich abzeichnet, dass die SPD vielleicht etwas Neues wagen könnte: nämlich eine Doppelspitze. Aber wenn mancher Genosse jetzt von einer neuen, frischen Doppelspitze schwärmt, dann hört man da die Hoffnung raus, den Erfolg der Grünen zu kopieren – und so einfach wird das nicht sein. Und wer nur deshalb auf die Doppelspitze setzt, weil er glaubt, dass vier Schultern Angriffe aus den eigenen Reihen besser aushalten als zwei, der könnte sich täuschen. Die SPD hat zumindest bisher oft genug ein Ausmaß an Zerstörungswillen gezeigt, das auch zwei Spitzenleute sturmreif schießen könnte.

Losgelöst von GroKo klarmachen, worum es geht

Thema Inhalte: Hält sich die Partei endlich mal an das Mantra, das sie seit Ewigkeiten vor sich herträgt? Erst die Inhalte klären, dann die Personen suchen, die diese Inhalte glaubhaft verkörpern? Bisher hat das nie geklappt. Und jetzt steht dazu noch eine fatale Versuchung im Raum: Dass die Partei nun nämlich die Inhalte vor allem mit einem Ziel klärt - dem Ziel, mögliche Ausstiegsgründe aus der Großen Koalition zu schaffen, mögliche Sollbruchstellen für die ungeliebte Allianz mit der Union.

Nach einem Ausstieg sehnen sich mittlerweile selbst viele Genossen, die solcher Gedanken früher unverdächtig waren. Aber wenn die SPD es ernst meint mit der Erneuerung, wenn sie wirklich verstanden hat, dann muss sie völlig losgelöst von der Großen Koalition klarmachen, wofür sie steht und wofür sie gebraucht wird. Neues Taktieren würden ihr die Genossen an der Basis und die Wähler nur übelnehmen – und zwar völlig zu Recht.

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