Heinz-Christian Strache

Österreichs einstiger Vize-Kanzler Heinz-Christian Strache muss sich wegen Korruptionsvorwürfen vor Gericht verantworten. Die Freundel-Wirtschaft scheint in der Alpenrepublik System zu haben.

Das sogenannte Ibiza-Video, das im Mai 2019 das Licht der Öffentlichkeit erblickte, sorgte in Österreich für ein Polit-Beben. Heinz-Christian Strache, heimlich aufgenommen in einer Villa auf der spanischen Insel Ibiza zwei Jahre zuvor, zeigt gegenüber der vermeintlichen Nichte eines russischen Oligarchen offenbar seine Bereitschaft zur Korruption, Umgehung der Gesetze zur Parteienfinanzierung sowie zur verdeckten Übernahme der Kontrolle über parteiunabhängige Medien. Und zwar für den Fall einer Regierungsbeteiligung seiner FPÖ.

Nur eine "besoffene G'schichte"?

Nachdem das herausgekommen war, zeigte sich Strache, zu diesem Zeitpunkt bereits Vize-Kanzler, zerknirscht: "Ja, meine Äußerungen waren eine besoffene G'schichte. Und ja, meine Äußerungen waren nüchtern gesehen katastrophal und ausgesprochen peinlich." Daraufhin zerbrach die Koalition zwischen der ÖVP von Bundeskanzler Sebastian Kurz und der rechtsaußen-Partei FPÖ.

In den Koalitionsverhandlungen zu dieser Regierungskonstellation sollen die gesetzlichen Änderungen beschlossen worden sein, die ab heute Gegenstand des Korruptions-Prozesses in Wien sind und unter anderem die Privatklinik bevorteilt haben sollen. "Ich weiß, dass ich in meinem Leben immer aus Überzeugung gehandelt habe. Ich weiß, dass ich in meinem Leben niemals korrupt war", ist sich Strache keiner Schuld bewusst.

In Österreich sagt man "Freundel-Wirtschaft"

Korruption ist ja auch ein hässliches Wort und auch in Österreich verpönt. Offiziell zumindest. Viele Polit-Beobachter werfen der politischen Klasse allerdings vor, die sogenannte Freundel-Wirtschaft zu betreiben. Selbst beim jungen Bundeskanzler Sebastian Kurz soll es so sein. Ein Mann, der das Meiste selbst entscheidet, sich aber mit vielen Freunden umgibt.

"Die Entscheidungen werden in seinem Umfeld getroffen und die Leute, die mit ihm nach oben gekommen sind, sind ganz alte, langjährige Vertraute. Das sind Leute, die er als ganz junger Politiker, teilweise über die Schülervertretung kennengelernt hat und die sind mit ihm ins Kanzleramt hineingewachsen", so der Journalist und Buchautor Klaus Knittelfelder. Wobei es in den Wahlwerbespots vor dem Urnengang 2017 bei Sebastian Kurz natürlich ganz anders klang. Irgendwie nach Saubermann und Wohlfühl-Image.

So war das eben schon immer

Sehr viel anders sei es aber seit seiner Wahl nicht geworden, bemängeln zahlreiche Experten und Beobachter. Das sei eben so in Österreich, fügen sie hinzu. Die Situation würde sich erst ändern, wenn es dramatische Auswirkungen im Wahlverhalten geben würde, etwa aus Protest gegen die Parteibuchwirtschaft.

"Das ist aber nicht der Fall, denn die Mehrheitsmeinung ist: Alle Parteien seien so. Und dann gibt es wenige Wechselwähler. Denn warum sollte ich von einer Partei, wo ich glaube, die ist so, zu einer anderen, wo ich meine, die ist ebenso, wechseln?“, so Politik-Wissenschaftler Peter Filzmaier. "Und die ÖVP verwendet das auch als Verteidigungsstrategie, beispielsweise beim Postenschacher: 'Ja, das hat ja die SPÖ schon immer so gemacht.'"

Und ob sich das jemals ändern wird? Nicht viele glauben daran. Die meisten gehen davon aus, dass die Freundel-Wirtschaft eben zu Österreich gehört, wie Sacher-Tochter und Wiener Melange.

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