Unter den Linden sucht eine Krähe in einem Papierkorb nach Fressbarem.
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Sie sind gesellig, intelligent und erinnern manch einen ewig an den berühmten Hitchcock-Film "Die Vögel": Krähen. Um die Rabenvögel drehen sich viele Vorurteile und dass es sie in die Städte zieht, freut nur manchen Naturliebhaber – viele stören sich an den Vögeln.

"Ich habe mich eben gefragt, ob ich hier stehen bleiben möchte, wenn ich auf die U-Bahn warte. Weil ich nichts von oben abkriegen möchte." Die U-Bahnhaltestelle Kalbach am Morgen. Zwischen den Ästen sieht man dutzende Nester auf den Bäumen, einige Vögel fliegen umher. Darunter: Weiße Spuren von Kot, die den Boden bedecken. Die meisten Wartenden nehmen es mit Humor und gehen bei den Wartehäuschen in Deckung. Aber eine ältere Dame beschwert sich: "Das geht schon seit einigen Jahren so. Nur – es wird immer mehr!"

Eine Krähe stibitzt in einem Biergarten einer jungen Frau ein Stück von der Brezel
Eine Krähe stibitzt in einem Biergarten einer jungen Frau ein Stück von der Brezel Bild © picture-alliance/dpa

Doch nicht nur hier – auch etwa in der Frankfurter Taunusanlage fallen die Rabenvögel auf. Dass immer mehr Vögel in die Stadt kommen, ist nicht nur ein Gefühl. 614 Brutpaare gab es 2017 in Frankfurt – 23 mehr als im Jahr zuvor, so die Staatliche Vogelschutzwarte. Deren Chefin Dagmar Stiefel erklärt, dass das auch an den Menschen liege: "Vögel zieht es in die Stadt, weil sie in der freien Landschaft extrem verfolgt wurden. Es sind sehr schlaue Tiere. Saatkrähen gehen dahin, wo sie am wenigsten bedroht werden. In der Stadt dürfen sie weder bejagt, noch vergiftet, noch sonst irgendwie angegangen werden. Es gibt genügend Nahrung und Städte sind ein bisschen wärmer."

Magnet Mülleimer

Krähen suchen Zuflucht und Orte zum Brüten. In der Stadt sind das vor allem Bäume in Parkanlagen oder in der Nähe von Gewässern. Dort gehen sie auch auf Nahrungssuche. Besonders beliebt bei den intelligenten Vögeln sind dabei Mülleimer. Bernd Roser vom Grünflächenamt Frankfurt: "Die Krähenvögel haben das schon gemerkt: Es gibt eine tolle Futterquelle, die ist einfach zu erreichen. Ich muss mich nur auf den Rand des Mülleimers setzen, alles ausräumen und da wird schon was Essbares dabei sein." Dem will die Stadt ein Ende setzen. Fest installierte Deckel sollen verhindern, dass die Krähen offen an die Mülleimer kommen. Die meisten Mülleimer am Main sind damit schon ausgerüstet, weitere folgen. Viel mehr dürfe die Stadt auch gar nicht machen, so Roser: "Es gibt bestimmte Krähenarten, die unter Naturschutz stehen. Insofern sind wir auch immer mal gefragt worden, ob wir die verjagen könnten oder vertreiben. Aber das ist nach Naturschutzrecht erst mal gar nicht erlaubt."

Beschwerden halten sich in Grenzen

Unter absolutem Naturschutz steht etwa die Saatkrähe. Auf Rabenkrähen und Elstern dagegen ist die Jagd in bestimmten Monaten erlaubt. Davon hält Stiefel von der Vogelschutzwarte allerdings wenig: "Leider ist das St. Floriansprinzip auch hier sehr beliebt. Man vergrämt an der einen Stelle und dann wandern die Tiere in die Nachbarschaft oder in einen anderen Teil des Parks und dann kommen die nächsten, die sich beschweren." Bisher würden sich die Beschwerden allerdings in Grenzen halten, so Roser. Er mahnt zu Gelassenheit: "Es ist nicht so, dass ich jedes Naturereignis einfach wegradieren kann, sondern ich muss vielleicht auch lernen, mit solchen natürlichen Ereignissen umzugehen."

Zurück in der Taunusanlage. Auf die Krähen angesprochen sagt ein älterer Mann: "Ich wollt’s gerade fotografieren – weil ich finde, das ist das einzig Lebendige neben den Leuten hier." Für ihn prägen die Krähen das Stadtbild – und gehören einfach dazu.

Sendung: hr-iNFO, 13.04.2018, 18:50 Uhr

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