Einbrecher versucht mit Brecheisen eine Tür zu öffnen
Zur Not mit der Brechstange: Einbrecher auf frischer Tat Bild © Imago

Zu den Klassikern im Wahlkampf gehören die Themen innere Sicherheit und Kriminalität. Wie ist es darum in Hessen bestellt? Von welchen Verbrechen geht die größte Bedrohung aus?

Polina Kechter aus Wiesbaden ist Opfer eines Wohnungseinbruchs geworden: "Um halb drei mittags, man denkt, es kann nichts passieren." Und doch ist es passiert. Vor genau einem Jahr stiegen Unbekannte durchs Fenster in ihre Wohnung im Hochparterre ein, nahmen Bargeld und Schmuck mit, wertvolle Sachen, unersetzliche Erinnerungsstücke: "Die Kette mit einem Kreuz von meiner Mama. Also die ganzen Sachen, die ich geschnekt bekommen hatte, sind alle weg."

Elf Wohnungseinbrüche pro Tag

Die Täter wurden noch nicht gefasst. Laut Kriminalstatistik wird in Hessen elf Mal am Tag in eine Wohnung eingebrochen. Der Wohnungseinbruch zählt zu den so genannten Eigentumsdelikten – und die bilden laut Statistik die mit Abstand größte Gruppe der Straftaten in Hessen. Martin Rettenberger ist Leiter der Kriminologischen Zentralstelle in Wiesbaden, die im Auftrag von Bund und Ländern Verbrechen erforscht. Er sagt, ein Einbruch in die eigene Wohnung sei besonders belastend: "Das Eindringen in diesen Raum, also die Wahrnehmung, dass da eine Grenze plötzlich überschritten wurde, ohne dass man sich dagegen wehren konnte, das kann für die Betroffenen ganz massive psychische Folgen haben."

Aufklärungsquote niedrig

Zwar sind die Einbruchszahlen im vergangenen Jahr etwas zurückgegangen, aber die Aufklärungsquote ist laut Statistik nach wie vor niedrig: Nur in jedem fünften Fall wird der Täter gefasst, meist können sie mitsamt der Beute unerkannt entkommen. Nicht viel besser sieht es bei den Betrugsdelikten aus, die nach den Diebstählen mit zu den häufigsten Verbrechen in Hessen gehören. Der Betrug kennt unzählige Spielarten – von kriminellen Haustürgeschäften, dem Enkeltrick am Telefon bis hin zur Abzocke im Internet. Und gerade dieser Bereich bereitet dem Kriminologen Rettenberger Sorgen: "Betrogen wird heute zunehmend im Internet, und das ist natürlich etwas, was jeden einzelnen Internetnutzer betreffen kann."

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Eine viel geringere Rollen spielen statistisch dagegen die Delikte, die in der Öffentlichkeit die größte Aufmerksamkeit finden: etwa Mord. Im vergangenen Jahr wurde in Hessen etwa alle zwei Wochen ein Mensch ermordet. Wohnungseinbrüche dagegen passierten fast 200 Mal so häufig und hinterließen tausende Opfer - wie Polina Kechter: "Ich hab immer das Gefühl, dass jemand am Balkon da läuft oder guckt, diese Angst sitzt so fest im Kopf." Und die Hoffnung, dass der Fall aufgeklärt werde, die habe sie aufgegeben.

PKS 2017: Grafik zur Gesamtkriminalität
Bild © Polizeiliche Kriminalstatistik 2017

Sendung: hr-iNFO, 10.10.2018, 6:30 Uhr

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