Das Logo der Schufa

Die Schufa will nach Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung an die Kontoauszüge der Verbraucher ran, um einen umfassenden Überblick über die Zahlungsfähigkeit zu bekommen. Wer steckt eigentlich hinter der sogenannten "Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung" und was macht sie?

Wer im Internet etwas bestellt, einen Mobilfunkvertrag abschließen möchte, wer die Null-Prozent-Finanzierung eines neuen Fernsehers in Betracht zieht oder einfach nur ein Girokonto besitzt – hatte sicher schon mit der Schufa zu tun. Die sogenannte Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung in Wiesbaden sammelt Informationen über Privatpersonen und Unternehmen und nimmt dann eine Risikobewertung vor.

Wer ist kreditwürdig und wer nicht?

"Also die Schufa ist eine privatwirtschaftlich organisierte Wirtschaftsauskunftei, wie man das so schön nennt. Sie befindet sich im Besitz von Unternehmen, die ein Interesse an der Kreditwürdigkeit von Kunden haben", erklärt Tim Krieger, Professor für Ordnungs- und Wettbewerbspolitik an der Uni Freiburg.

Unternehmen, die also wissen wollen, wie zahlungsfähig ihre Kunden sind. Zum Beispiel Banken, die Kredite vergeben, oder Händler, die Ratenzahlungen anbieten. Doch wie lässt sich diese Kreditwürdigkeit überhaupt berechnen? Die Formel gibt das private Unternehmen nicht preis: Betriebsgeheimnis.

Was machen die Algorithmen?

Das heißt: Wir wissen nicht, welche Informationen mit welcher Gewichtung in die Computer-Algorithmen einfließen, sagt Netzexperte Arne Semsrott. Er hat mit anderen das Projekt OpenSchufa ins Leben gerufen. "Wir haben gut begründete Verdachte, wie ungefähr Teile dieser Algorithmen ablaufen, also zum Beispiel wird die Frage, ob man Kreditkarten hat, ob man Telekommunikationsverträge abgeschlossen hat, wahrscheinlich in diese Algorithmen einfließen. Aber die Schufa mauert ganz grundsätzlich in diesem Bereich."

Dafür gäbe es gute Gründe, sagt Ingo Koch, Pressesprecher der Schufa: "Das hat den Nutzen, dass sie vor Manipulation geschützt wird. Das heißt, wenn sich jetzt jemand besser darstellen möchte, als er ist, dann geht das eben nicht." Netzaktivist Semsrott sieht darin aber die Gefahr, dass bestimmte Menschengruppen benachteiligen werden. "Wir konnten zum Beispiel sehen, dass in der Tendenz vor allem junge Männer schlechtere Scores haben. Das führt im Effekt dazu, dass wir diskriminierende Faktoren haben, die durch diese Algorithmen verstärkt werden und das ist gesamtgesellschaftlich ein ganz großes Problem", sagt er.

Woher kommt die schlechte Bewertung?

Schlechte Scores, also schlechte Einstufungen, gibt es zum Beispiel für mehrfache Mahnungen und Zahlungsaufforderungen, wenn die Kreditkarte gesperrt wird für die Nutzung oder bei privater Insolvenz. Verbraucher haben das Recht, einmal im Jahr kostenlos Einblick in ihre Schufa-Daten zu nehmen. Das sollten sie hin und wieder auch tun. Die Auskunftei mache es einem aber schwer, sagt Semsrott, indem sie versuche, Menschen dafür bezahlen zu lassen.

"Wenn man diese Daten einsieht, dann sieht man auch in der Regel nicht, wie die Schufa dazu kommt. Und wenn man einen schlechten Score hat, dann weiß man in der Regel auch nicht, ob tatsächlich eine schlechte Kreditwürdigkeit dahintersteht oder zum Beispiel eine Namensverwechslung oder andere Fehler, die die Schufa macht", so der Aktivist.

Löschen ist nicht so leicht

Nach rund drei Jahren muss die Schufa die Daten der Kunden wieder löschen. Aber nicht immer passiert das auch. Kommt sie dem nicht nach, dann sei es ein sehr aufwendiger Prozess, dies durchzusetzen, sagt Netzaktivist Semsrott. Die neuen Pläne der Schufa, auch Kontodaten von Millionen Bürgern einsehen zu können, verschärfe diese Diskriminierung nur, ist er überzeugt.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 27.11.2020, 15-18 Uhr

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