Syrische Kinder füllen Wasser aus einem Tank in eine Kanne in einem Flüchtlingslager für Binnenflüchtlinge in der Nähe des Dorfes Kafr Aruq.

Die Kämpfe in Syrien haben nachgelassen - vor allem, seit Russland und die Türkei vor gut einem Jahr eine Waffenruhe für die Provinz Idlib verkündeten. Die Zivilbevölkerung leidet deshalb aber kaum weniger.

Das Elend in Syrien wird eher größer als kleiner: In den Camps der Vertriebenen im syrischen Norden, aber auch in Gebieten, die von der Regierung kontrolliert werden. In den Trümmern der Stadt Douma nahe Damaskus zum Beispiel muss Umm Sobhi die vier Kinder ihres Sohnes versorgen, der im Krieg ums Leben kam. Sie könne nachts nicht schlafen, erzählt die 65-Jährige dem Reporter der Nachrichtenagentur AFP. Sie müsse ständig daran denken, wie sie die Enkelkinder ernähren und wovon sie die Wasser- und Stromrechnungen bezahlen soll.

90 Prozent der Kinder auf Nothilfe angewiesen

Innerhalb des Landes gehen knapp 2,5 Millionen Kinder nicht zur Schule. UNICEF, das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, schätzt, dass 90 Prozent aller Kinder in Syrien auf Nothilfe angewiesen sind, 20 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Es sind Kinder wie die Enkel von Umm Sobhi. Sie hätten im Leben bislang nichts als Angst, Hunger, Einsamkeit und Kälte erfahren. Niemand solle durchmachen müssen, was sie in den vergangenen Jahren erlebt hätten.

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Seit Montag (29.3.) läuft in Brüssel die fünfte Konferenz zur "Unterstützung Syriens und der Region". Ziel ist es, politische Lösungen aufzeigen und Geld für das Land zu sammeln.

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Mit Hilfe Russlands gelang es Präsident Bashar al-Assad, seine Macht zu sichern. Er kontrolliert inzwischen wieder 70 Prozent des Landes. Unter den Sanktionen, die der Westen gegen das Regime verhängt hat, leidet die Wirtschaft Syriens. Vor allem aber sind es der Krieg, die Korruption und die Folgen der Corona-Pandemie, die die Wirtschaft ruiniert haben. Mindestens ein Drittel der Infrastruktur des Landes soll im Krieg zerstört worden sein – vor allem von der syrischen und der russischen Luftwaffe, aber auch bei Luftangriffen der von den USA geführten Koalition gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat", zum Beispiel auf die Stadt Raqqa.

Jeder zweite Syrer im Land hat nicht genug zu essen, 80 Prozent aller Menschen leben unterhalb der Armutsgrenze. Ihre Versorgung fällt Hilfsorganisationen nicht leicht. Das Geld ist knapp, und einige der Konfliktparteien – vor allem das Assad-Regime – erschweren den Zugang zu Bedürftigen.

Keine Änderung in Sicht

Den UN-Sondergesandten für Syrien, Geir Pedersen, deprimiert es besonders, dass es der UNO nicht gelang, den Konflikt einer Lösung näherzubringen: "Im Namen der Vereinten Nationen bedaure ich es zutiefst, dass wir bislang außerstande waren, in diesem tragischen Konflikt zu vermitteln. Die syrische Tragödie ist eines der dunkelsten Kapitel der jüngeren Geschichte." 

Inzwischen ist Syrien in vier Einflusszonen zerfallen. Die Regierung kontrolliert fast alle großen Städte des Landes. Die Türkei ist in den Nordwesten einmarschiert. Im Nordosten herrscht eine von Kurden geführte Miliz, die von den USA unterstützt wird. Die Region um Idlib wurde zum letzten großen Gebiet von Aufständischen. Auch hier sind türkische Soldaten stationiert. Nichts weist darauf hin, dass sich demnächst an dieser Konstellation etwas ändern könnte. Umso wichtiger ist es, dass die Zivilbevölkerung wenigstens mit Nothilfe versorgt werden kann.

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Syrien (dpa)
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 Sendung: hr-iNFO Aktuell, 30.3.2021, 6 bis 19 Uhr

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