Bildcollage aus Plakaten zur Landtagswahl Hessen 2018
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Der Wahlkampf in Hessen neigt sich dem Ende zu. Auf welche Themen setzten die Parteien? Und wie sind sie damit gefahren? Ein Überblick.

Im HessenTrend vom September nannten die befragten Hessen Bildung, Zuwanderung, Verkehr und Wohnen als Topthemen. Beim Thema Bildung beschäftigte die Wähler vor allem Unterrichtsausfall, Schulgebäude, von denen der Putz bröckelt und der Lehrermangel. Bezahlbarer Wohnraum rückte vor der Wahl stärker als zuvor in den Fokus.

Die hessische SPD erkor bezahlbaren Wohnraum in Stadt und Land zu ihrem Wahlkampfthema Nummer eins. SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel will im Falle eines Wahlsieges dem überteuerten Wohnungsmarkt mit einem Wohnungsbauministerium begegnen: "Für die ersten hundert Tage im Amt habe ich mir vorgenommen, 100.000 Quadratmeter Bauland als Landesflächen in ganz Hessen für bezahlbaren Wohnraum zu entwickeln." Die Sozialdemokraten hatten hart daran zu knabbern, dass die schwarz-grüne Landesregierung eine klassische SPD-Forderung nach der anderen abräumte und in die Realität umsetzte – wie zum Beispiel Eltern teilweise von Kitagebühren zu befreien.

Thema Integration nicht dominant

Im Gegensatz zum Wahlkampf in Bayern dominiert das Thema Flüchtlinge und Integration in Hessen nicht. Das macht sich auch an den Umfragewerten der AfD bemerkbar (Ergebnisse im HessenTrend: Juni: 15%, September 14%, Oktober 12%). Dennoch kann sich die AfD wohl auch mit diesen Werten auf einen Einzug in den Landtag einstellen. Der Zwist in der Bundespolitik beschert der Partei relativ stabile zweistellige Werte, ohne dass sie mit ihrem Wahlkampf besonders laute Töne anschlagen musste. Vielleicht auch deshalb präsentierte sich AfD-Spitzenkandidat Rainer Rahn oftmals wenig ehrgeizig in Diskussionsrunden mit seinen politischen Kontrahenten: „Ich verzichte auf ein Schlusswort und überlasse meine Redezeit Herrn Schäfer-Gümbel, der braucht sie mehr als ich", sagte er etwa in der Elefantenrunde der Landespressekonferenz.

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zum Artikel Die Wahl in Hessen - mögliche Koalitionen

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Die hessische Linke bleibt vom Drama im Bund unbehelligt, ist deutlich stärker als vor fünf Jahren und stellte mit ihrem Wahlslogen "Mehr für die Mehrheit" die Spaltung zwischen Arm und Reich in den Mittelpunkt.

Ebenfalls freuen kann sich der Koalitionspartner der CDU. Die Grünen machen Wahlkampf mit Gleichberechtigung, Umweltschutz und gegen Rassismus. In den Umfragen heimst die Öko-Partei Höchstwerte ein, ihr Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir ist trotz Fluglärmdebatte und Dieseldebakel der beliebteste hessische Politiker. Laut Umfragewerten werden die Grünen voraussichtlich wieder zu den Regierungsmachern. Minister Al-Wazir betonte mehrfach: „Wir sind nicht rot-grün und nicht schwarz-grün und wir sind auch nicht rot-rot-grün und wir träumen auch nicht von Jamaika. Wie sind die hessischen Grünen und wir setzten auf Eigenständigkeit, auf eigene Stärke."

Bundespolitik überschattet Hessen-Wahlkampf

Gerade in den letzten Tagen vor der Wahl hatten drohende Fahrverbote in Frankfurt und vermeintlich neue Abgaswerte für die Mainmetropole für Diskussionen gesorgt. Vor allem die FDP stach hier immer wieder in die Wunde und präsentierte im Wahlkampf ein 5-Punkte-Programm gegen drohenden Fahrverbote, das zum Beispiel vorsieht, Fahrzeuge wie beim ÖPNV oder bei Reinigungs- und Rettungsdiensten mit einem Alternativ-Kraftstoff betanken zu lassen.

"Glaubt irgendjemand, dass das Zertrümmern der Einheit von CDU und CSU in Deutschland irgendetwas besser macht? Ich glaube das nicht, liebe Freunde!", sagte Ministerpräsident Volker Bouffier auf einem Parteitag Mitte des Jahres. Der Streit in der Union ließ CDU-Bundesvize und Ministerpräsident Bouffier wiederholt scharfe Worte Richtung CSU-Innenminister Seehofer finden. Schon damals warnt nicht nur Bouffier: Der hessische Wahlkampf könnte von der Bundespolitik überschattet werden. Recht hatte er: Die Unstimmigkeiten in der großen Koalition in Berlin machten sich bis zuletzt in den Umfragewerten der Hessen-CDU und SPD bemerkbar.

Sendung: hr-iNFO, 26.10.2018, 6:15 Uhr

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