Unwort des Jahres
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Das Unwort des Jahres 2018 lautet "Anti-Abschiebe-Industrie". Ein weiteres Wort, bei dem man laut Jury lieber noch mal darüber nachdenken sollte, bevor man es benutzt. Ein Blick zurück auf frühere Unwörter, und was sie über ihre Zeit aussagen.

Die Liste ist so eine Art bundesdeutsches Geschichtsbuch: Die Jury ist treffsicher. Die meisten Begriffe, die sie auswählt, sind so prägnant, dass sie lange im Gedächtnis bleiben. "Peanuts" – schon sieht man den großspurigen Deutsche-Bank-Chef vor sich, "Ich-AG" – schon ist die Hartz-Debatte wieder da, "Kollateralschaden" – verniedlichend für zivile Opfer in Kriegen, stammt aus dem Jahr 1999, als die Nato die serbische Armee im Kosovo angriff.

Lügenpresse, Gutmensch, alternativlos

Wobei es der Jury ja eigentlich darum geht, dass man die Unwörter lieber nicht verwenden sollte, weil sie unangemessen sind, oder schlicht falsch. Doch da ist der Erfolg begrenzt. Ja, ihr "alternativlos" ist Angela Merkel oft genug um die Ohren geflogen, da lässt sie die Finger davon. Aber die "Lügenpresse", der "Gutmensch" oder der  "Volksverräter" sind bei Pegida und in anderen rechten Kreisen immer noch populär. Der "Volksverräter" ist eben nicht einfach einer, der anderer Meinung ist, sondern gleich ein Verräter, noch dazu einer des Volkes, zu dem bestimmte Leute eben nicht dazu gehören, nie dazu gehören können, egal welchen Pass sie haben.

Auf der anderen Seite des politischen Spektrums geht es ähnlich zu. Die "Herdprämie" – das auf Betreiben der CSU eingeführte Betreuungsgeld für Mütter, die zu Hause bleiben, wurde zwar vom Verfassungsgericht kassiert. Aber der Begriff Herdprämie taucht bei der Linken da und dort noch auf und er bleibt herabwürdigend, was besonders deutlich wird, wenn man auf die nicht ganz so häufigen Varianten "Aufzuchtsprämie" oder "Gluckengehalt" guckt.

Wörter des Jahres

Unangenehme Erkenntnis nach Lektüre der Unwörter-Liste: Ganz offensichtlich ist unser Hirn so gestrickt, dass ein bisschen Abwertung Wörter griffiger macht, sodass sie im Gedächtnis bleiben. Der Blick auf die Liste der Wörter des Jahres, die im Gegensatz zu den Unwörtern neutraler daherkommen, einfach wichtig waren im jeweiligen Jahr, dieser Blick hält jedenfalls längst nicht so viele Aha-Erlebnisse bereit. "Abwrackprämie" – ja, da war mal was. "Rot-Grün" – lange her. Und dass es bei der "Rettungsroutine" 2012 nicht um Unfall-Opfer ging, sondern um den Euro, haben wir alle miteinander längst vergessen.

Sendung: hr-iNFO, 15.1.19, 15:30 Uhr

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