Sahra Wagenknecht
Sahra Wagenknecht will eine außerparlamentarische Bewegung starten. Bild © picture-alliance/dpa

Sahra Wagenknecht und Oskar Lafontaine werben seit längerem für eine neue linke Bewegung in Deutschland. Im September soll es nun endlich soweit sein. Ein Kommentar zu den Erfolgsaussichten.

Ganz unlogisch sind die Pläne für eine linke Sammlungsbewegung ja nicht. Denn für eine Mehrheit in Deutschland sind auch sogenannte "linke", soziale Themen sehr wichtig. Die Mehrheit ist für einen Mindestlohn, für soziale Absicherung, für gute Renten, für anständige Löhne für alle. Gleichzeitig aber ist eine Mehrheit gesellschaftspolitisch eher konservativ, und denkt: "Wir Deutschen zahlen alles, und für uns selbst bleibt zu wenig übrig." Ich denke: So kann man das Ressentiment vieler beschreiben.

"Sahra ist keine Göttin"

Eine linke Bewegung à la Wagenknecht könnte also durchaus einen gewissen Erfolg haben. Mit höheren Steuern für Reiche, mehr Gerechtigkeit für die Mittel- und die Unterschicht, angereichert durch eine kräftige Portion "Deutschland zuerst". Aber Deutschland ist nicht Griechenland, wo Alexis Tsipras mit der Partei Syriza erfolgreich war; und auch nicht Frankreich, wo Jean-Luc Mélenchon, Chef der linken Bewegung "Frankreich, das sich nicht unterwirft", um die 20 Prozent bei der Präsidentschaftswahl bekommen hat. In Deutschland, glaube ich, wird so eine neue, linke Bewegung nicht klappen.

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Erfolgreiche Bewegungen sind auf eine Person zugeschnitten: Einen Linken wie Tsipras, einen Rechten wie Trump, einen aus der Mitte wie Macron. So charismatisch sind aber Sahra Wagenknecht oder Oskar Lafontaine nicht. "Sahra ist keine Göttin", sagt Gregor Gysi zu Recht.

Keine große Zukunft

Der frühere griechische Finanzminister Yanis Varoufakis hat dagegen Charisma. Er versucht gerade, europaweit eine linke Sammlungsbewegung hinzubekommen: Selbst er bekommt kaum prominente Mitstreiter zusammen. Umso weniger kann man auch dem Projekt einer rein deutschen linken Bewegung eine große Zukunft voraussagen.

Eine neue linke Bewegung wird genau den Platz im politischen Spektrum ausfüllen, an dem schon die Linkspartei ist. Links hat in Deutschland nur eine Machtchance, wenn Linke, SPD und Grüne einheitlich auftreten würden. Seit Jahren reden darüber auch verschiedene Zirkel aus den drei Parteien. Und kommen nicht voran und nicht zueinander.

Links mit einem Schuss AfD

So eine neue linke Bewegung kann man aber nicht in Zirkeln in Tagungshäusern und Seminarräumen aus der Retorte heben. Für einen Erfolg müsste ein begeisternder, überzeugender, glaubwürdiger, charismatischer Mensch auftreten, mit vielen idealistischen Unterstützern an der Basis. Das Rezept "Links mit einem Schuss AfD": Wen soll das in Massen begeistern?

Und mit altgedienten Parteipolitikern wie Sahra Wagenknecht, Olaf Scholz, Andrea Nahles oder Kathrin Göring-Eckhardt kann ich mir so eine Bewegung sowieso kein bisschen vorstellen. Ich meine: Es gibt derzeit weder die richtigen Köpfe noch einen breiten politischen Willen, nicht einmal in der Linkspartei selbst, für eine neue linke Bewegung in Deutschland.

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Sendung: hr-iNFO, 08.06.2018, 6.20 Uhr

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