Nobelpreis
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Dieses Jahr gibt es keinen Literaturnobelpreis. Keine Neuheit, denn der Preis fiel bereits sieben Mal aus. Eine Chronologie von Ausfällen und Skandalen.

Wegen der Krise in der Schwedischen Akademie wird der Literaturnobelpreis in diesem Jahr nicht vergeben. Die Schwedische Akademie habe entschieden, den Literaturnobelpreis 2018 zu verschieben und ihn im kommenden Jahr zu verleihen. Nicht neu – das gab es schon öfter. Sechs Mal ist er auch schon wegen der beiden Weltkriege komplett ausgefallen. 1935 fiel er aus, weil die Schwedische Akademie keinen der Kandiaten als würdig erachtete. Der Literaturnobelpreis wurde seit 1901 an 114 Preisträger vergeben. Nicht immer ging das skandalfrei über die Bühne.

Rücktritte von Jurymitgliedern gab es auch schon: Als der Iran 1989 seine islamische Fatwa gegen Salman Rushdie verhängte, bezog die Akademie politisch nicht Stellung. Drei Mitglieder erklärten aus Protest ihren Austritt – was die damaligen Statuten allerdings nicht zuließen. Ihr Stühle blieben also, in zwei Fällen bis zum Tod der Jurymitglieder, leer.

Auch verspätete Ehrungen sind und waren bereits möglich. Die Statuten der Nobelstiftung lassen zu, den Preis auf das nächste Jahr zu verschieben, dann also zwei Nobelpreise zu vergeben. "Wenn keine der in Betracht gezogenen Arbeiten die im ersten Absatz angegebene Bedeutung aufweist, ist das Preisgeld bis zum folgenden Jahr zu reservieren. Kann der Preis auch dann nicht vergeben werden, wird der Betrag zu den zweckgebundenen Mitteln der Stiftung hinzugefügt", steht dort.

Dotierung ohne Verleihung?

Sieben Mal ist das schon passiert. Unter anderem bekam der Ire George Bernard Shaw seinen Preis für 1925 erst im Jahr 1926. Der hatte aber auch erst Nein gesagt. Den Preis will ich nicht. Dann nahm er ihn doch und sagte mit seinem irischen Humor, man möge auf seine Gesundheit anstoßen.

Tatsächlich verweigert haben zwei Schriftsteller. Der erste 1958 allerdings nicht freiwillig: Boris Pasternak, der Doktor Schiwago geschrieben hatte,  musste den Preis auf Druck seiner Regierung zurückweisen. Rund 29 Jahre nach seinem Tod nahm sein Sohn den Preis stellvertretend entgegen.

Jean-Paul Sartre blieb bei seinem Nein. 1964 erklärte er: "Mit diesem Preis will das bürgerliche Establishment meine Fehler der Vergangeheit übertünchen. Sie sagen mir: "Das ist deine Chance!" Und gaben mir den Nobelpreis. Sie verzeihen mir und erklären, ich würde es jetzt verdienen, den Preis zu bekommen. Das ist monströs." Das hinderte ihn jedoch nicht daran, elf Jahre später beim Nobelkomitee diskret nachzufragen, ob man ihm nachträglich die Dotierung von damals 273.000 Schwedischen Kronen überweisen könne. Das hat man abgelehnt.

Unterhaltsame Gaukler

Umstritten war die Entscheidung 2016, den Literaturnobelpreis an den Musiker Bob Dylan zu vergeben. Nicht wenige hielten seine Songtexte nicht für Literatur. Dylan machte es der Schwedischen Akademie auch denkbar schwer: Erst verriet er nicht, ob er den Preis annehmen werde, dann kam er nicht zur Preisverleihung, am Ende reichte er seine Vorlesung hauchdünn vor Ablauf der Frist als Tonaufnahme ein. Und dann ließ er seine Rede von der amerikanischen Botschafterin in Schweden, Azita Raji, verlesen.

Und einen aufmüpfigen Preisträger gab es auch noch. Dem italienischen Dramatiker Dario Fo wurde 1997 nachgesagt, er sei doch nur ein unterhaltsamer Gaukler, aber kein Autor von Weltrang. Als Replik gab der 71-jährige seiner "Nobel-Vorlesung" den Titel "Gegen freimütige Gaukler" und machte daraus eine umjubelte Gaukler-Show. Nobel-Traditionen scherten Dario Fo  wenig.

Sendung: hr-iNFO, 4.5.18, 12:10 Uhr

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