Littering: Ein Müllhaufen aus Coffee-To-Go-Bechern
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Das Liegenlassen von Abfällen im öffentlichen Raum, auch Littering genannt, ist allgegenwärtig. Warum verdrecken Menschen öffentliche Plätze?

740 Millionen Euro kostet die Straßenreinigung in Deutschland jedes Jahr. Verschiedene hessische Entsorgungsbetriebe bestätigen, dass immer mehr Abfall auf Straßen und Plätzen landet. Ein großes Problem sind seit einigen Jahren vor allem die Verpackungen der vielen To-Go-Gerichte. Die großen Plastikboxen von Fertig-Salaten, Frucht-Smoothies oder Sushi aus dem Supermarkt passen oft einfach nicht in die Mülleimer – und landen dann daneben.

Auch Zigarettenstummel und Hundekot werden häufig nicht richtig entsorgt. Zwei Drittel aller gerauchten Zigaretten landen nach Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf dem Boden. Besonders häufig zugemüllt werden Bahnhöfe und Haltestellen, Grünanlagen und belebte Plätze.

Hemmschwellen sinken

Bei der Frage wieso das so ist, gehen Selbst- und Fremdeinschätzung komplett auseinander. Fragt man sie, warum andere Menschen Müll auf die Straße werfen, so führen sie als Gründe vor allem Faulheit und Gleichgültigkeit an. Wenn es um das eigene Wegwerfverhalten geht, sind aber angeblich fehlende Mülleimer schuld. Das haben Befragungen der Humboldt Universität Berlin ergeben.

In einer zweiten Phase gingen die Wissenschaftler auf Konfrontationskurs und sprachen Müllsünder direkt auf ihr Verhalten an. Die meisten gaben an, sie hätten die Mülleimer in ihrer Nähe nicht wahrgenommen.

Eine britische Studie hat zudem nachgewiesen, dass sich eine „Das macht doch jeder“-Mentalität breit macht. Die Hemmschwelle selbst etwas wegzuwerfen sinkt merklich, wenn die Umgebung sowieso schon als unsauber wahrgenommen wird. Wo Müll liegt, kommt Müll dazu. Der Faktor Anonymität spielt ebenfalls eine große Rolle. Müll wird häufiger achtlos weggeschmissen, wenn niemand zusieht.

Soziale Kontrolle

Die mit Abstand wirkungsvollste Maßnahme ist, mehr Mülleimer aufstellen – und sie natürlich regelmäßig zu leeren. Das haben viele Städte und Gemeinden in den letzten Jahren getan.

Und, noch einen simplen Trick gibt es: Bunte Mülleimer stechen mehr ins Auge als graue oder schwarze und werden tatsächlich mehr genutzt. Auch größere Öffnungen der Abfallbehälter helfen. Die hat zum Beispiel die Stadt Frankfurt eingeführt, damit auch Coffee-to-go-Becher und Take-Away-Verpackungen in die aufgestellten Behälter passen.

Eine wichtige Rolle spielt auch die soziale Kontrolle: Wer sich beobachtet fühlt, verhält sich eher normkonform, entsorgt seinen Müll also ordentlich. Offenbar funktioniert das auch unterbewusst. Britische Forscher haben herausgefunden: Wenn ein Augenpaar auf eine Verpackung gedruckt ist, wird sie seltener achtlos auf die Straße geworfen.

Sendung: hr-iNFO, 25.4.18, 8:20 Uhr

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