Zwei Schülerinnen einer Grundschule rennen mit einem Schulranzen auf dem Rücken die letzten Meter bis zum Schulhof.

Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU) hat angekündigt, dass die Schulen gut gerüstet seien im Kampf gegen die Pandemie. Aber wie sieht die Realität zum Beginn des neuen Schuljahrs aus? Unsere Reporterin hat sich an Hessens Schulen umgehört.

Gerrit Ulmke leitet das Helmholtzgymnasium in Frankfurt. Er fühlt sich gut vorbereitet auf den Schulstart: "Die Tests sind vorbereitet, die sind da, die Elterninformation geht raus ... Also die Leute, die sich um die Gesundheit kümmern, haben in den Sommerferien einiges vorbereitet." Die Helmholtzschule hat auch eine Luftfilteranlage, die in der Mensa hängt. Allerdings wurde sie nicht von Stadt, Land oder Bund finanziert, sondern ist eine Leihgabe einer Firma aus Hanau, "die uns angeboten hat, einen großen Raum auszustatten", sagt der Schulleiter. Da habe man natürlich die Mensa gewählt, "weil das der Raum ist, in dem es zur größten Vermischung von Schülerinnen und Schülern während der Mittagspause kommt."

Schulleiter sind "außen vor"

Die Mensa ist aber auch der einzige Raum an der ganzen Schule, der mit Luftfiltern ausgestattet ist. Von offizieller Seite, also von Land oder Schulträger, fühlt sich Gerrit Ulmke nicht immer gut unterstützt in der Pandemie. Er weiß zwar, dass die Fördergelder von Bund und Land noch nicht ausgeschöpft sind, ihm seien aber die Hände gebunden: "Ich als Schulleiter kann nicht die Fördertöpfe aus Berlin oder Wiesbaden anzapfen, das ist alles eine Sache des Schulträgers. Und da sind wir Schulleiter komplett außebn vor. Das heißt, wir werden nicht infomiert, was die Stadt mit dem Gebäude vorhat und so kriege ich zurzeit nur mit, dass Raumvolumen in verschiedenen Räumen gemessen wird, aber ich weiß wirklich nicht, aus welchem Grund, ich weiß nicht, was hier angedacht ist, ich weiß nicht, welche Räume ausgestattet werden. Da liegen mir wirklich null Informationen vor."

Genau so geht es auch einer anderen Schulleiterin einer Grundschule in Frankfurt, die dem hr dasselbe berichtet. Offenbar werden Schulleitungen in Frankfurt nicht informiert, wenn die Stadt Räume für mögliche Luftfilter ausmessen lässt. Bildungsdezernentin Sylvia Weber hatte unter anderem angekündigt: "Wir legen jetzt ein Fünf-Jahresprogramm vor, dass wir alle Grundschulen mit großen raumlufttechnischen Anlagen versehen, sofern sie sie noch nicht haben."

Mobile Luftreiniger noch nicht an allen Grundschulen angekommen

Bis dahin sollen mobile Luftreiniger kurzfristig in den Klassen eins bis sechs aufgestellt werden. Doch bisher sind die nach hr-Information noch nicht an allen Grundschulen angekommen. Auch in Darmstadt werden aktuell mobile Luftfilter an Grundschulen und Kitas geliefert – um die unter 12-Jährigen, für die es noch keine Impfung gibt, besser zu schützen. Die Ausstattung mit Luftfiltern hängt also stark an Stadt, Kommune oder Landkreis. Für welche Hygiene-Maßnahmen Gelder beantragt werden, entscheidet jeder Schulträger selbst.

An der integrierten Gesamtschule in Riedstadt im Kreis Groß-Gerau setzt man auf CO2-Ampeln, erzählt Schulleiter Martin Buhl: "Die misst den CO2-Wert in der Luft und hat so ein Ampelsystem. Bei grün ist alles in Ordnung, bei orange wird die Luftqualität schlechter und bei rot ist so viel CO2 in der Luft, dass man auf jeden Fall lüften sollte." Damit komme man gut klar. Die Schule hat fünf solcher CO2-Ampeln und nutzt sie, um in allen Räumen zu testen, wann gelüftet werden muss. Was die Selbsttests in der Schule betrifft sind sich alle einig: Da sei man mittlerweile routiniert. Und das geplante Testheft, das die Schüler auch außerhalb der Schule als Nachweis nutzen können? Martin Buhl von der IGS Riedstadt findet es zwar eine gute Idee, aber, "dass jeder Kollege jedem Kind attestiert, 'du hast den Test gemacht' - das geht wieder von der Unterrichtszeit ab. Von daher ist das schon so ein Wehrmutstropfen." Für die Schülerinnen und Schüler sei es dennoch ein toller Service.

Verhalten optimistisch

Grundsätzlich sind die beiden Schulleiter aus Frankfurt und Riedstadt verhalten optimistisch, dass dieser Herbst anders wird als im vergangenen Jahr. Auch durch die jetzt höhere Impfquote bei den Eltern und den über 12-Jährigen. "Ich habe tatsächlich die Hoffnung, dass wir ein Schuljahr ohne Schulschließungen hinkriegen", sagt Gerrit Ulmke vom Helmholtzgymnasium. Und Martin Buhl findet: "Das können wir uns auch nicht mehr erlauben. Die Kinder brauchen Schule, die brauchen Sozialkontakte, die brauchen Regelmäßigkeit und Struktur im Alltag. Wir können uns Schulschließungen überhaupt nicht mehr erlauben."

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