Menschenmassen auf der Frankfurter Einkaufsmeile "Zeil"

Am Mittwoch machen die Geschäfte zu. Also heute schnell noch mal in die Innenstadt flitzen, um die letzten Weihnachtsgeschenke zu besorgen? Unsere Kommentatoren sind geteilter Meinung.

Pro Last-Minute-Einkäufe

Von Stefan Bücheler

Raten Sie mal, was ich gestern in der Mittagspause schnell noch gemacht habe? Na klar: Ich bin in unsere kleine Fußgängerzone geflitzt. Warum? Weil ich Amazon abgeschworen habe und in diesem Jahr alles direkt beim Hersteller oder in einem der kleinen Läden in der Stadt kaufe. Und da bin ich seit Sonntag ein wenig unter Druck gekommen. 

So wie all die anderen, die ich da getroffen habe. Es war gut was los, in den großen Städten war’s noch viel voller. Überall wurden die Buchläden gestürmt. Mein Tipp: Heute geht’s genau so weiter. War das abzusehen? Ganz sicher. Dabei hätte dieser Run vermieden werden können. Dass der Lockdown Light nicht reicht, war lange vor dem vergangenen Sonntag klar.

Also: Früher drüber nachdenken, früher klare Beschlüsse fassen, früher und genauer informieren und dann den Menschen ein paar Tage mehr Zeit geben, um damit zu Recht zu kommen. Auch so hätte Politik handeln können.  Hat sie nicht und deswegen wäre es richtig, die Einzelhandels-Geschäfte noch bis zum Wochenende offen zu lassen. Damit es sich nicht so knubbelt und zum Wohle der Händler in der Innenstadt, von denen sich laut einer Umfrage des Handelsverbands Deutschland mehr als die Hälfte in akuter Existenznot sieht.

Immerhin: Dass jetzt in Hessen weiterhin Waren bestellt und abgeholt werden können mag die Weihnachts-Geschenke-Panik ein bisschen eindämmen. Derweil arbeiten die Frisöre seit gestern im Akkord, um wenigstens die Stammkunden noch zu bedienen. Ist das eine gute Eindämmungsstrategie? Sicher nicht. War es abzusehen, dass es so kommt? Ganz sicher: Ja.

Contra Last-Minute-Einkäufe

Von Christoph Käppeler

Durften wir uns wirklich darauf verlassen, dass wir, wie immer, noch Last-Minute-Verzweiflungskäufe am letzten Wochenende vor Weihnachten machen könnten? In rappelvollen Fußgängerzonen und Kaufhäusern? Nein, das durften wird nicht. Wir konnten es doch ahnen. Niemandem konnte es entgehen, dass die Zahlen der neu Infizierten und der Toten nicht so runtergingen, wie erhofft. Die Intensivstationen füllen sich und es muss einfach was geschehen.

Jetzt gilt nicht, wie sonst jedes Jahr vor Weihnachten: "Ich brauch' noch Geschenke, ich muss nochmal in die Stadt." Ja, so ticken wir, fast jedem geht es so. Aber: Diesmal ist es eben einfach wirklich Pech, wenn man das passende Geschenk noch nicht rechtzeitig gefunden oder gekauft hat. Jetzt geht es einfach nur noch darum: Kontakte vermeiden! Möglichst keine Gelegenheiten schaffen, bei denen man sich anstecken könnte. Einfach aus Verantwortung – selbst, wenn Geschäfte noch aufhaben.

Bleiben wir aus den Innenstädten weg! Bleiben wir zu Hause! Seien wir flexibel und feiern meinetwegen sowas wie "Notweihnachten". Ohne Geschenke, mit weniger Geschenken oder mit Gutscheinen oder Selbstgebasteltem. Das ist leider dieses Jahr so. Aber: So ist es eben, wenn die Notbremse gezogen werden muss, um noch Schlimmeres zu verhindern!

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 15.12.2020, 6-9 Uhr

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