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Paris: Ein Mann steht auf einem verlassenen Bahnsteig am Bahnhof Gare de Lyon.

Ein Generalstreik hat in Frankreich das öffentliche Leben lahmgelegt. Bahnhöfe und Flughäfen sind verwaist. Die Gewerkschaften streiken aufgrund von Macrons Rentenreformplänen. Doch wie sehen die aus?

Auf der Parkbank sitzen, Boule spielen, Käse essen, dazu einen guten Wein – es gibt so manch ein Vorurteil wenn es um Rentner in Frankreich geht. Doch eines entspricht dann doch den Fakten. Den Menschen im Ruhestand in Deutschlands westlichem Nachbarland geht es im Allgemeinen ziemlich gut, jedenfalls besser, als in vielen anderen Ländern dieser Welt. Das ist die eine Seite. Die andere ist: Genau deshalb hat das Land ein Problem. Ein finanzielles Problem. Denn das System ist sehr teuer.

Wie sieht das Rentensystem aus?

Der Beitragssatz der Arbeitnehmer für die Rentenversicherung liegt bei 28 Prozent vom Bruttoeinkommen. Fast zehn Prozent höher als in Deutschland. Trotzdem gibt es in der Rentenkasse ein Milliardenloch. Denn: Auch in Frankreich werden die Menschen immer älter und beziehen damit länger Rente. Außerdem können Menschen aus vielen Berufsgruppen relativ früh in Rente gehen. Mit 62 Jahren nämlich.

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Lokführer der staatlichen Bahngesellschaft zum Beispiel oder Busfahrer der Nahverkehrsbetriebe können sogar schon mit Anfang 50 in den Ruhestand gehen. Im Durchschnitt liegen die französischen Renten bei 1600 Euro. Hinzu kommt, dass das derzeitige System extrem unübersichtlich ist. Es gibt viele Querverbindungen und Quersubventionen. Und es gibt über 40 Rentenkassen für bestimmte Berufsgruppen. Effektiv geht anders.

Was will Macron?

Staatspräsident Emmanuel Macron will eine große und grundsätzliche Rentenreform. Mehrfach hat er dies als eines der wichtigsten Reformvorhaben seiner Amtszeit bezeichnet. Kurz gesagt, will er Sonderregeln abschaffen und ein Punktesystem einführen, ähnlich wie in Deutschland. Jeder Euro, der in die Rentenkasse eingezahlt wird, soll die gleichen Anrechte im Alter bringen. Für Zeiten der Arbeitslosigkeit, Kindererziehung oder Krankheit, sollen sogenannte Solidaritätspunkte gutgeschrieben werden. Außerdem ist eine Anpassung an die steigende Lebenserwartung vorgesehen.

Die Franzosen sollen länger arbeiten, um eine Rente ohne Abschläge zu bekommen. Macron versichert allerdings, dass alle schon erworbenen Rentenansprüche zu 100 Prozent garantiert würden. Und es soll auch längere Übergangsfristen geben. Das Alles kann viele Arbeitnehmer, Rentner und auch die Gewerkschaften nicht überzeugen. Sie haben Angst viel zu verlieren und am Ende viel schlechter dazustehen als zurzeit. Deshalb die Proteste.

Die Regierung ist aber fest entschlossen, die seit vielen Jahrzehnten nicht gelungene Rentenreform nun endgültig zu einem Ende zu bringen, bevor das Rentensystem kollabiert. Noch vor Weihnachten soll ein detaillierter Plan vorgelegt und im kommenden Sommer vom Parlament verabschiedet werden. Greifen soll das neue System dann ab 2025.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 6.12.2019, 15-18 Uhr

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