Kinder malen in der städtischen Kita "Trauminsel" in Bad Vilbel
Kinder malen in der städtischen Kita "Trauminsel" in Bad Vilbel Bild © picture-alliance/dpa

Hessen rangiert auf Platz zwei der Bundesländer, in denen die meisten Betreuungsplätze fehlen. Viele Familien stellt das vor große Herausforderungen. Was müsste sich ändern, damit aus dem Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz für alle Realität werden kann?

Frustrierend – so nennt Manuela Vonhof, Mutter von zwei Kindern, die Kita-Situation in ihrem Wohnort Dreieich: "Die Politik will Kinder, will flexible Eltern und Familien, Mütter, die schnell wieder arbeiten gehen. Aber die Rundum-Bedingungen sind nirgendwo gegeben, damit das auch alles funktionieren kann."

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Für ihre ältere Tochter hat sie noch einen Kita-Platz bekommen, für ihre jüngere Tochter sieht Vonhof allerdings schwarz: Im Oktober wird sie drei Jahre alt und hätte laut Gesetz ein Anrecht auf einen Kitaplatz. Einen freien Platz gibt es laut Stadt allerdings nicht.

29.000 Kinder unter 3 Jahren ohne Betreuungsplatz

Und das ist nicht nur in Dreieich so: Ganz Hessen sucht händeringend nach Erziehern und Erzieherinnen. Laut dem Institut für Deutsche Wirtschaft in Köln haben in Hessen 16 Prozent der unter 3-Jährigen keinen Betreuungsplatz – das entspricht mehr als 29.000 Kindern.

Grafik: Betreuungslücke in Deutschland
Die Betreuungslücke bei Kitas in Deutschland Bild © Institut der Deutschen Wirtschaft

In Dreieich zum Beispiel fehlen Kitaplätze für mehr als 150 Kinder, sagt die Vorsitzende des Stadtelternbeirats Tina Vieweber. Seit 2,5 Jahren kämpft sie für mehr Plätze. Gerade, wenn Familien darauf angewiesen sind, dass beide Eltern arbeiten, müsse die Stadt für die Betreuung sorgen: "Das ist eben nicht so, dass es 'nice-to-have' ist, sondern das ist ein Rechtsanspruch.

Rechtsanspruch auf Kitaplatz

Seit August 2013 haben Eltern in Deutschland ein Recht darauf, einen Kitaplatz für ihre Kinder zwischen einem und drei Jahren zu bekommen. Doch nicht nur die Plätze, sondern auch der Fachkräftemangel ist ein Problem – auch in Dreieich.

Andreas Feldmann von der Stadtverwaltung sieht auch zum Teil den Bund in der Pflicht. Die Kommunen könnten das Problem nicht allein lösen, schreibt er in einem schriftlichen Statement. Sie würden zwar sehr viel stärker ausbilden, doch das reiche nicht aus: "Eine umfangreiche finanzielle Unterstützung oder Entlastung der Kommunen durch Bund und Land ist eine wesentliche Voraussetzung zur Verbesserung der Situation. Auch eine Veränderung der Ausbildungen würde sich positiv auswirken. Deren Inhalte werden aber nicht durch die Kommunen entschieden", so Feldmann.

"Beruf des Erziehers muss aufgewertet werden"

Vor allem der Beruf des Erziehers müsse aufgewertet werden, sagt Gabriele Bischoff, Leiterin der Kita Frankfurt. Der städtische Träger betreut 140 Einrichtungen in der Rhein-Main-Metropole und stellt auch immer mehr Fachkräfte aus dem Ausland ein, beispielsweise aus Spanien, um die große Nachfrage zu decken.

In Dreieich setzt man dagegen auf Marketing, sagt Tina Vieweber. Sie haben Autos foliert mit dem Slogan 'Wir haben noch Plätze frei für Erzieher', die in der Stadt unterwegs sind. Und es sei eine Werbeagentur damit beauftragt worden, "auch wirklich ein Marketing aufzusetzen", so Vieweber.

Ohne Kita fehlt eine soziale Komponente

Bis das Marketing wirkt, fehlen in Dreieich perspektivisch jedenfalls 45 Vollzeitkräfte in den Kitas. Doch letztlich sollte es bei der Diskussion neben den finanziellen und beruflichen Problemen für die Eltern auch um das Kind gehen, sagt die zweifache Mutter Manuela Vonhof aus Dreieich. Ohne Kita fehle eine soziale Komponente, meint sie.

Zwar trifft sie sich mit ihrer Tochter privat mit anderen Kindern, aber da ist "die Mama dabei und im Kindergarten sind sie schon vor andere Herausforderungen gestellt, auf sich gestellt und das fehlt einfach ein Stück weit." Das merke man den Kindern auch an. Wenn sie ihre große Tochter in den Kindergarten bringe, frage die Kleine nach, ob sie auch dort bleiben dürfe. "Und das muss man halt verneinen und das wird immer schwieriger.“

Sendung: hr-iNFO, 13.5.2019, 6:10 Uhr

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