Skyline frankfurt

Nach dem Ersten Weltkrieg sind in Frankfurt in gut fünf Jahren 10.000 neue Wohungen entstanden. Heute braucht es manchmal fünf Jahre, um eine Baugenehmigung zu bekommen. Doch neuer, bezahlbarer Wohnraum wird dringend benötigt. Welche Ideen und Projekte gibt es?

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Ausstellung: Neuer Mensch, neue Wohnung

In den 1920er Jahren konstituierte sich in Frankfurt am Main ein beispielloses Programm baulicher und kultureller Erneuerung, das unter dem Namen "Neues Frankfurt" in die Kulturgeschichte einging. Das Deutsche Architekturmuseum widmet sich diesen Bauten anlässliche des Bauhaus-Jubiläumsjahres. Eröffnung: 22.3.2019 [mehr]

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Seine Begeisterung ist spürbar, wenn der Direktor des Deutschen Architekturmuseums durch die neue Ausstellung "Neuer Mensch, neue Wohnung" geht. Er zeigt auf Holzmodelle von Trabantenstädten, die vor rund 100 Jahren für Frankfurt geplant wurden. Es sei Zeit, wieder neue Stadtviertel zu bauen, sagt Peter Cachola Schmal. Auch wenn es kaum Flächen gebe. "Man muss überall planen, wo man kann. Und man sollte selbstverständlich mit anderen Gemeinden über gemeinsame Entwicklungen reden. Es wäre ja geradezu revolutionär, mit seiner Nachbargemeinde ein neues Stadtviertel zu entwickeln."

Das scheitere aber häufig daran, dass die Frankfurter Umlandkommunen nicht wachsen wollten. Politiker hätten Angst davor, vom Wähler für solch eine Entscheidung abgestraft zu werden. Auch beim Thema Nachverdichtung in Frankfurt gebe es Widerstand – vor allem von Nachbarn. Die hätten keine Lust auf Baustellen und deren Lärm, sagt Cachola Schmal.

Noch mehr verdichten

Dabei sei Nachverdichtung eine gute Möglichkeit, um Wohnraum zu schaffen: "Zum Beispiel Verdichtung nach innen, auf den Dächern, Verdichtung natürlich auf den Supermärkten und allem anderen. Warum sind die Tankstellen eigentlich nur eingeschossig?" Oder auch an in den Stadtteilen der 60er und 70er Jahre. Beispiel Frankfurter Berg. Da könne man gegebenenfalls bei Großwohneinheiten noch einen Trakt ans gleiche Treppenhaus dranhängen.

Frankfurt könne noch mehr verdichten, wenn der Autoverkehr aus der Stadt verdrängt werde. Weniger Schadstoffe in der Luft ergäben weniger Diskussionen um Frischluftschneisen, die durch Wohnhäuser blockiert werden, glaubt der Direktor des Architekturmuseums. Diese müssten dafür begrünt werden. Auch der geplante Stadtteil im Nordwesten der Stadt an der A5 für 30.000 Menschen sei eine große Chance für die Stadt. Trotz trennender Autobahn.

Überhaupt: "Es muss auch nicht in der engen Gemarkung Frankfurts jeder Bauer ständig anbauen müssen. Man kann darüber nachdenken, ob die Felder in Frankfurt wirklich irgendeinen ökologischen Wert haben und warum sie nicht bebaut werden." Allerdings hätten dabei auch die Landwirte ein gewichtiges Wort mitzureden.

Über Wohnhochhäuser nachdenken

Da in Frankfurt freie Flächen fehlen, werden auch ehemalige Gewerbebetriebe und Bürogebäude in Wohnraum umgewandelt. Als Beispiel für solch ein gemischtes Quartier nennt Mark Gellert, Sprecher des Planungsdezernats, die Bürostadt Niederrad. "Wir wollen nicht, dass die gewerbliche Nutzung dort ganz aufgegeben wird, sondern, dass dort eben auch Wohnen möglich und auch üblich wird."

Ein Problem in Frankfurt: Es gibt derzeit sehr viele Ein- und Zweipersonenhaushalte, die in großen Wohnungen leben. Peter Cachola Schmal denkt deshalb darüber nach, die Skyline zu erweitern: "Wir werden über Wohnhochhäuser nachdenken müssen. Aber eben nicht die Luxuswohnhochhäuser. Sondern wir müssen schauen, wie wir das verhindern können, welche gesetzlichen Methoden uns bleiben, um Luxuswohnhochhäuser, die für manchen Menschen als Anlageobjekte dienen, zu halten." Man müsse sehen, wie man garantieren könne, dass "da wirklich Menschen wohnen."

Auch die Einhausung von Autobahnen, wie bei der A 661 geplant, um Grünflächen und Wohnraum zu schaffen, ist für den Direktor des Architekturmuseums ein guter Plan - allerdings ein sehr teurer. Wichtig sei es, dass neue Stadtteile auch am Stadtrand so dicht wie in der Innenstadt bebaut werden. Inklusive Zentrum, Geschäften, Gastronomie und kulturellen und sozialen Einrichtungen.

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Vortrag: Die Stadt + der neue Mensch - wie Frankfurt modern wurde [Tickets gewinnen]

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Sendung: hr-iNFO, 22.3.2019, 6:10 Uhr

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