Jens Spahn bei einer Pressekonferenz

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat in der Coronakrise zuletzt keine gute Figur abgegeben. Sein jüngster Fehltritt hat das Fass nun endgültig zum Überlaufen gebracht, findet unser Kommentator.

Man hält es langsam nicht mehr aus. Wie wird das Bundesgesundheitsministerium geführt? Es sieht so aus, als ob Jens Spahn, der Bundesgesundheitsminister, das nach Maßstäben tut, die im Volksmund gemeinhin als "Gutdünken" bezeichnet werden. Sollte es wirklich so gewesen sein, dass der Bundesgesundheitsminister gegen die Bedenken der Fachabteilungen im eigenen Ministerium durch Inanspruchnahme der Beratung einer Wirtschaftsprüfungsfirma durchgesetzt hat, dass Apotheken für die Ausgabe von FFP2-Masken sechs Euro pro Maske erstattet bekommen, obwohl die Masken für weit weniger zu bekommen gewesen wären, dann muss Jens Spahn jetzt endlich zurücktreten.

Fehltritte, Durcheinander, Zurückhaltung

Er kann es einfach nicht. Seine Bewältigung der Corona-Krise ist eine Aneinanderreihung von Fehltritten, Durcheinander und ängstlichem Zurückhalten, wenn stattdessen Mut und Tatkraft gefragt gewesen wären.

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Viele verschiedene FFP2-Masken liegen nebeneinander. (AFP)
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Oder finden Sie einen Politiker glaubwürdig, der erst sagt, die Bevölkerung solle die Corona-Regeln befolgen und sich dann zu einem Abendessen begibt, Spenden für seine Partei einwirbt und unmittelbar danach positiv auf das Virus getestet wird? Der eine Teststrategie ankündigt, die dann weitestgehend ausfällt, weil nichts so vorhanden ist, wie der Minister es angekündigt hat? Der nach einem Jahr Corona eine Impfung im Schneckentempo anzubieten hat? Der nicht wirklich viel außer Abstandsregeln und Lockdown anzubieten hat?

Schlechter kann es nicht mehr werden

Jens Spahn wird freitagvormittags in der Corona-Pressekonferenz in Berlin zusammen mit dem Robert-Koch-Insitut immer mit kritischen Fragen konfrontiert und zieht sich dann meistens auf die Position zurück, alle würden ja Fehler machen und deswegen würde er nicht mit dem Finger auf andere zeigen und das würde er sich auch für sich wünschen. Ja, alle machen derzeit Fehler, aber kaum welche, die so eine fatale Wirkung haben wie die des Bundesgesundheitsministers. Die geringste ist noch, dass das Vertrauen in die Politik irreparabel geschädigt wird. Und deshalb sollte Jens Spahn zurücktreten.

Vielleicht bekommt er ja eine Stelle beim Bundesverband der Apotheker, denn die hat er ja gerade deutschlandweit mit rund zwei Milliarden Euro aus Steuermitteln bedacht. Mit der Abrechnung von Masken auf Staatskosten zum grob geschätzt sechsfachen des normalen Einkaufspreises. Manchen Apothekern ist der Geldsegen aus Berlin so peinlich, dass sie das Geld spenden wollen, hört man. Politiker aber schwören in ihrem Amtseid, dass sie Schaden vom deutschen Volk abwenden sollen. Diesen Eid hat Jens Spahn jetzt schon so oft verletzt, er muss gehen. Denn schlechter kann es nicht mehr werden.

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Sendung: hr-iNFO Aktuell, 18.3.2021, 15-18 Uhr

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