Armin Laschet

Der Machtkampf in der Union ist vorbei: Der gemeinsame Kanzlerkandidat von CDU und CSU heißt Armin Laschet. Der wahre Sieger des Unions-Dramas heißt jedoch Markus Söder, meint unsere Kommentatorin.

Armin Laschet hat sich durchgesetzt. Überzeugt hat er nicht. Auch nicht seinen Konkurrenten Markus Söder. Das wurde sehr deutlich, als der selbsternannte Kandidat der Herzen in München mit großer Geste zurückzog.

Der scheinheilige Markus

Markus Söder bedankte sich bei denen in der Partei, "die auf Zukunft aus waren". Viel vergifteter geht nicht. Ein bisschen vergifteter aber schon. Markus Söder bedankte sich nämlich auch bei, so wörtlich, nahezu allen Ministerpräsidenten, von denen er Zuspruch erhalten habe. Markus Söder erklärte staatstragend: Es gebe Verantwortung für das Land – und meinte damit seine Bereitschaft, für die Union als Kanzlerkandidat anzutreten.

Es gebe aber auch Verantwortung für die Union, so Söder weiter, nur eine geschlossene Union könne am Ende erfolgreich sein. Soll heißen: Söder hat um des lieben Friedens willen zurückgezogen, nicht weil er Laschet für den besseren Kandidaten hält. Der heilige beziehungsweise scheinheilige Markus hat notgedrungen die Partei über das Land gestellt. Sprich: Weil die CDU in ihrem derzeitigen Zustand einen CSU-Kandidaten nicht verkraftet hätte, bekommt die Union den schwächeren Kanzlerkandidaten: Armin Laschet.

Söder kann nur gewinnen

Der hat sich durchgesetzt, aber was ist sein Sieg wert? Er ist faktisch Kanzlerkandidat von Söders Gnaden. Armin Laschet muss jetzt die Union einen, wie er nach seiner Wahl zum CDU-Vorsitzenden die CDU einen musste. Dass es dabei noch Luft nach oben gibt, um es mal vorsichtig auszudrücken, haben die vergangenen acht Tage gezeigt.

Söder kann in diesem Szenario nur gewinnen. Läuft es gut für die Union im Wahlkampf, dann natürlich wegen der loyalen Unterstützung des starken Mannes aus dem tiefsten Süden. Läuft es hingegen schlecht, ist Laschet schuld, weil die Union nicht mit dem sogenannten Kandidaten der Herzen, sondern nach dem Motto 'im Westen nichts Neues' in den Wahlkampf gezogen ist.

Wahlkampf in der eigenen Partei

Aber: Armin Laschet hat sich durchgesetzt. Gegen einen Gegner, der nicht nur ihn infrage gestellt hat, sondern auch gleich die Entscheidungsprozesse und Strukturen in der CDU. Die demokratischen Gremien, die die Partei sich selbst gegeben hat. Das musste Söder zurücknehmen und beteuern, er sei ein großer Verfechter der repräsentativen Demokratie. Das hat Armin Laschet ihm abgerungen. Auch eine Leistung.

Trotzdem: Markus Söder kann sich jetzt zurücklehnen und als guter Geist der Union in Szene setzen. Und der Unionskanzlerkandidat Armin Laschet muss Wahlkampf machen. Für sich. In der eigenen Partei. Na, herzlichen Glückwunsch.

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Sendung: hr-iNFO Aktuell, 20.04.2021, 15-18 Uhr

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