Bouffier und Merkel bei Zukunftskonferenz
Bundeskanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsident Volker Bouffier bei der CDU-"Zukunftskonferenz" in Darmstadt. Bild © picture-alliance/dpa

Schon jetzt wird über die Zukunft der Bundeskanzlerin spekuliert: Was bei der Hessenwahl passiert, hat Auswirkungen auf Merkels Zukunft. Wie könnte die aussehen? Wir haben drei Szenarien für Sie.

1) Verliert die CDU, verliert auch Merkel.

Merkel will Bundeskanzlerin und Parteichefin bleiben. Für den nötigen Rückhalt innerhalb der Partei sorgte bisher Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier mit. Während des Unionsstreits versuchte er die Lage zu beruhigen. "Entscheidend ist, dass wir jetzt besonnen bleiben, dass die Union beieinander bleibt und das ist die Grundlage für eine stabile Bundesregierung", sagte Bouffier.

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Kann sich die schwarz-grüne Landesregierung in Hessen halten, würde das die größtmögliche Stabilität für die Bundeskanzlerin bedeuten. Auch eine Jamaika-Koalition würde ihr helfen. Nur, verliert Merkel Bouffier als ihren Unterstützer, könnten ihre Kritiker an Bedeutung gewinnen.

2) Gewinnt die SPD, ist Merkel angezählt.

Reicht es in Hessen für eine rot-rot-grüne Landesregierung, verliert Merkel vielleicht nicht nur ihren Unterstützer Volker Bouffier, sondern auch die SPD als verlässlichen Koalitionspartner in der Bundesregierung. Die SPD könnte ihre Chance wittern, auch im Bund auf einen Wechsel zu hoffen. Andererseits würde eine Große Koalition in Hessen die SPD auf Bundesebene stärken.

Nach der Bayernwahl wirkte Merkels Koalitionspartner sehr angeschlagen. SPD Parteichefin Andrea Nahles kann Aufwind gebrauchen. Das einstellige Ergebnis der SPD in Bayern führte sie auf die Probleme in der Bundesregierung zurück. "Es ist uns nicht gelungen, uns von dem Richtungsstreit in der CDU/CSU freizumachen", sagte Nahles". "Fest steht: Das muss sich ändern." Innerhalb der SPD, besonders aus den Ländern, wird die Forderung nach einer Auflösung der GroKo lauter. Ohne die SPD müsste sich die Bundeskanzlerin im Falle einer Neuwahl auf eine noch schwierigere Lage zur Regierungsbildung einstellen, als sie sie schon hatte.

3) Gewinnt die CDU, kann Merkel bleiben.

Reicht es in Hessen für Schwarz-Grün oder Schwarz-Grün-Gelb, könnte das die Kanzlerin retten - zumindest vorerst. Im Dezember würde Merkel auf dem CDU-Parteitag wahrscheinlich als Parteichefin wiedergewählt werden. Ein knapper CDU-Sieg könnte die Stimmen innerhalb der Partei gegen Merkel befeuern.

CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer erklärte, die CDU habe aus dem Wahlergebnis in Bayern gelernt: "Dass die Streitigkeiten der vergangenen Monate, insbesondere auch der Tonfall und der Stil, kein Rückenwind für die Wahlkämpfer in Bayern waren, steht außer Frage." Trotzdem dürften die Rufe nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin Merkels lauter werden. Annegret Kramp-Karrenbauer, Armin Laschet – Merkel wird sich entscheiden müssen, ob sie selbst jemanden, noch schneller als geplant, aufbaut oder gestürzt wird.

Sendung: hr-iNFO, 23.10.2018, 7.15 Uhr

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