Eine junge Frau hält ein Smartphone mit dem Hashtag "#MeToo" in der Hand.
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Dass Machtgefälle in Form von sexueller Gewalt ausgenutzt werden, das gibt es nicht nur in der Kulturbranche, sondern überall in der Gesellschaft. Zum Beispiel in der Wissenschaft und im Eventbereich. Was wird dagegen unternommen?

Der männliche Professor, der die Noten vergibt oder die hübsche Studentin bei der Doktorarbeit betreut. Das Thema Machtmissbrauch sei durchaus auch an der Uni präsent, sagt die Frauenbeauftragte der Frankfurt University of Applied Sciences Margit Göttert. Situationen wie Besprechungen unter vier Augen, oder Exkursionen auf denen Studentinnen und Dozenten viel Zeit miteinander verbringen, begünstigten das – wie vor einigen Jahren: "Wir hatten mal einen Fall tatsächlich im Rahmen einer Exkursion, wo es um grenzverletzendes Verhalten von zwei Dozenten ging. Es war keine offene Gewalt aber es wurden in einer bestimmten Situation natürlich Abhängigkeitsverhältnisse ausgenutzt."

Antidiskriminierungsrichtlinie

Und längst nicht jeder Fall erreicht Margit Göttert auch, die Dunkelziffer sei hoch. In dem genannten Fall habe die Universität schnell reagiert, mehrere Beteiligte befragt und Konsequenzen gezogen. "Einer dieser Dozenten bekam keine weiteren Lehraufträge mehr, es wurde auch versucht, das zu unterbinden, es wurde auch dieses Format verändert." Um zu vermeiden, dass sich solche Situationen wiederholen, hat die Frankfurt University of Applied Sciences - schon lange vor der MeToo-Debatte - beschlossen, eine Antidiskriminierungsrichtlinie auf den Weg zu bringen. Darin ist klar geregelt, welchen Weg eine Beschwerde nehmen muss. Man will sich Expertise von außen holen, ein Antidiskriminierungsrat wird eingerichtet.

So sollen in Zukunft 12 Beraterinnen und Berater in der ganzen Hochschule verteilt sitzen und vor allem eins: Aufklären, was sexueller Machtmissbrauch überhaupt ist, so die Frauenbeauftragte: "Das können auch ganz einfache Dinge sein, Berührungen, die man vielleicht nicht möchte, anzügliche Bemerkungen. Also Betroffene erst einmal zu ermutigen, sich zu wehren und wo sie es selbst nicht schaffen, auf jeden Fall die Beratungsstellen aufzusuchen. Und wenn sie es wollen, auch ein offizielles Beschwerdeverfahren einzuleiten."

Event- und Veranstaltungsbranche

Anders als die Wissenschaft hat die Event- und Veranstaltungsbranche den Ruf, besonders anfällig zu sein für das, was den Kern der MeToo-Debatte ausmacht: Macht und deren Missbrauch. Hier treffen oft junge, hübsche Frauen an Messeständen auf männliche Kunden oder Chefs, auf Kongressen weit weg von zu Hause. Die Messegesellschaft Imex Group mit Sitz in UK richtet zweimal im Jahr eine Messe für Veranstalter und Aussteller aus - in Frankfurt und Las Vegas. Geschäftsführerin Carina Bauer kennt die Branche und weiß, dass sie als weibliche Führungskraft eine Ausnahme ist: "Grundsätzlich geht es um Macht und wo die Macht liegt. Und immer noch ist es so, dass der Prozentsatz von Führungspositionen von Frauen niedriger ist als der von Männern. Besonders in unserer Meeting- und Eventbranche ist das ein Thema, weil 75 % der Menschen die hier arbeiten sind Frauen, aber nur 20 % der Führungspositionen sind auch von Frauen besetzt."

Zitat
„Es geht darum Frauen die Möglichkeit zu geben, etwas zu sagen, wenn sie sich nicht wohl fühlen. Das ist wichtig.“ Zitat von Carina Bauer, Imex Group
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Die IMEX Group mit 60 Mitarbeitern- und Mitarbeiterinnen ein relativ kleines Unternehmen mit überwiegend Frauen, auch in der Führung, will diese Strukturen durchbrechen und setzt auf eine offene Unternehmenskultur. "Es geht darum Frauen die Möglichkeit zu geben, etwas zu sagen, wenn sie sich nicht wohl fühlen. Das ist wichtig. Einige der berühmten Schauspielerinnen haben ja erst nach 20 Jahren etwas gesagt – Menschen haben gefragt: Warum habt ihr so lange gewartet? Und sie haben gewartet, weil sie sich unterlegen fühlten, weil das ihre Karriere behindern könnte usw. Ich denke, es geht genau darum zu erklären, was man machen kann, um sich und anderen zu helfen."

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zum Artikel #metoo - was hat die Debatte bislang gebracht?

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Und das Unternehmen geht noch einen Schritt weiter. Es sollen dauerhaft auch mehr Frauen in Führungspositionen kommen. Eine Umfrage in der Branche habe gezeigt, dass Frauen auf dem Weg dahin immer noch weniger Chancen bekommen, weniger verdienen, weniger unterstützt werden. Im Rahmen der Messe im Mai in Frankfurt wird die IMEX deshalb erstmals die Veranstaltung "She Means Business" organisieren. Pressesprecherin Tanja Knecht: "Da finde ich ist die Carina selbst und auch die IMEX per se ein wunderbares Rollenvorbild, weil alle Direktorenjobs mittlerweile weiblich sind."

Die Hoffnung: Wenn sich die klassischen Hierarchien und Machtverhältnisse ändern, könnte es auch irgendwann weniger Skandale geben.

Sendung: hr-iNFO, 18.10.2017, 17:10 Uhr

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