Ein Banner mit der Aufschrift „UEFA Euro 2020“ hängt vor der Allianz Arena.

Fußball und Börse haben vieles gemeinsam: Bei beiden geht es um Millionensummen. Die Broker werden in den nächsten Wochen also auch den Fußballticker genau im Blick haben. Wer profitiert erfahrungsgemäß von solchen Turnieren?

Fußball und Börse haben vieles gemeinsam: Taktik, Risiko, Emotionen. Und bei beiden geht es um viel Geld, Milliardensummen. Kein Wunder, dass viele Börsianer die nächsten vier Wochen mit einem Auge auf die Kurse und mit dem anderen auf den Fußballticker schauen werden. Bei Arthur Brunner von der ICF Bank wird  sogar ein Bildschirm mitlaufen: "Die Börsianer sind traditionell sehr fußballbegeistert. Ich selber betreue Anleihen von Fußballvereinen, von Werder Bremen, Hertha BSC und Schalke 04." 

Sportartikel, Lebensmittel, Bier

Man sieht - an der Börse ist Fußball nicht nur Hobby, sondern auch Geschäft. Und da interessiert die Broker auch, welche Werte von der Europameisterschaft profitieren. Oliver Roth vom Bankhaus Oddo Seidler war selbst Profispieler bei den Offenbacher Kickers. "Grundsätzlich profitieren die, die auch werbetechnisch sehr präsent sind", sagt er. Das seien an erster Stelle Konsumtitel: "Sportartikelhersteller, Lebensmittelhersteller und natürlich Biersorten, die besonders gut gehen, wenn das Wetter gut ist. Wenn gegrillt wird, wird auch mehr Bier getrunken." 

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Ein überdimensionaler offizieller Spielball "Uniforia" von der EURO 2020 ist vor der Münchner Arena aufgestellt ()
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Die Aktien von Puma haben im vergangenen Monat fünf Prozent zugelegt, die von Adidas sogar 16 Prozent. Das Trikot der deutschen Nationalmannschaft kommt von Adidas, der offizielle EM-Spielball auch. Adidas-Chef Kaspar Rorsted sagte kürzlich, ohne die EM und die Olympischen Sommerspiele würden seinem Konzern 50 bis 70 Millionen Euro in der Kasse fehlen.

"Kommerz nicht völlig verteufeln"

Und auch die Fußballvereine schauten nicht mehr nur auf Siege, Punkte und Titel, sagt Professor Olaf Stotz von der Frankfurt School of Finance and Management: "Man sieht es an den Umsätzen von den Vereinen - mehrere hundert Millionen, wenn es es eine europäische Spitzenmannschaft ist. Und wenn man das im Vergleich zur Historie sieht, dann kann man vermuten, dass die Kommerzialisierung im Vergleich zum sportlichen Erfolg gleichwertig zu sehen ist."

Die Börsianer sehen das EM-Fußball-Spektakel, das trotz Pandemie und auch an weit entfernten Orten wie Aserbaidschan mit einem halb vollen Stadion ausgetragen wird, durchaus kritisch. Es gehe immer um Verhältnismäßigkeit, findet Ex-Profi und Jetzt-Banker Oliver Roth. Man dürfe den Kommerz zwar nicht völlig verteufeln, es gebe ja auch "Nacheffekte bis runter zu den Amateurvereinen. Dennoch scheint es einem immer mehr - Thema Superleague -, dass einige hier den solidarischen Gedanken nicht mehr an erste Stelle sehen, sondern die Einnahmen. Und das ist definitiv die falsche Entwicklung für den Fußball."

Börsianer setzen nicht auf Deutschland

Am höchsten im Kurs für den EM-Titel steht bei den befragten Börsianern übrigens nicht Deutschland, sondern die Teams aus England, Belgien und Frankreich. Auf Jogis Team zu setzen, hätte diesmal eher was von Zockerei. Die Börsianer müssen es ja wissen. 

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 11.6.2021, 9 bis 12 Uhr

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