Zentrale und Logo der Deutschen Bank spiegeln sich in einer Glasfassade im Frankfurter Bankenviertel.

Die Deutsche Bank meldet einen Milliardenverlust - zum fünften Mal in Serie. Dennoch genehmigen sich die Vorstände eine Belohnung. Dass der Vorstand auf die Hälfte verzichten will, macht es nicht besser, meint unser Kommentator. Denn Boni haben etwas mit Erfolg zu tun.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, wenn Sie hören, dass ein Unternehmen mehr als fünf Milliarden Euro Verlust einfährt, dass es seit fünf Jahren schon tiefrote Zahlen schreibt, dass es in diesem Zeitraum sogar sagenhafte 15 Milliarden Euro verbrannt hat.

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Zum Artikel Wende oder Ende? Die Milliardenverluste der Deutschen Bank

Frühnebel Deutsche Bank Frankfurt
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Wow, werden Sie vielleicht sagen, 15 Milliarden – das ist viel Geld! Ja, das ist es. Auch für die Deutsche Bank, Deutschlands stolzeste Bank, die an der Börse gerade mal noch gut 16 Milliarden Euro wert ist. Wenn das so weitergeht mit dem Geldverbrennen, werden Sie vielleicht denken, dann ist irgendwann einmal Schluss – und Sie haben recht: Die Deutsche Bank lebt seit Jahren schon aus der Substanz. Zahlt trotz ihrer Milliardenverluste ihren Investmentbankern und Führungskräften stolze Gehälter.

Mehr als 640 Einkommensmillionäre hatte sie zuletzt an Bord – so viel wie keine andere Bank in Europa. Sie hat Milliarden an Erfolgsboni an ihre Top-Leute ausgezahlt, obwohl sie horrende Verluste verbucht. Dafür ist aus meiner Sicht nicht nur der Vorstand verantwortlich, sondern auch der Aufsichtsrat.

Aufsichtsrat ist Teil des Problems

Wie passt das zusammen? Einen Bonus auszahlen, wenn das Unternehmen insgesamt tiefrote Zahlen schreibt, werden Sie sich fragen. Ohne die klassische Neiddebatte bedienen zu wollen: Das passt überhaupt nicht zusammen. Das wird auch nicht besser dadurch, dass der Vorstand auf die Hälfte seiner Millionen-Boni verzichten will.

Boni haben etwas mit Erfolg zu tun, sind in Wahrheit aber längst zu einem festen Bestandteil von Gehältern geworden. Es läge an den Aufsichtsräten, das zu ändern, den Erfolg anders zu messen – etwa danach, was ein Unternehmen verdient, auch für seine Aktionäre, wie viel neue Jobs es schafft oder welchen positiven Beitrag es zum Klimaschutz leistet. Nichts davon!

Bei der Deutschen Bank den schwarzen Peter nur dem Vorstand zuzuschieben, ist zu kurz gesprungen. Der Aufsichtsrat ist seit Jahren schon Teil des Problems und nicht der Lösung. Er liefert bis zum heutigen Tage keine schlüssige Zukunftsstrategie, schafft kein Vertrauen – genau das aber bräuchte die Deutsche Bank so dringend.

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Sendung: hr-iNFO, Aktualität, 30.1.2020, 15-18 Uhr

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