Ein Priester hält einen Rosenkranz und eine bischöfliche Erklärung zu den Missbrauchsfällen durch Jesuiten-Pater in der Hand
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Tausendfacher Missbrauch in den vergangenen Jahrzehnten, dazu eine systematische Vertuschung: Die katholische Kirche ist sich mittlerweile bewusst, dass sie aufarbeiten und helfen muss. Auch in Hessen. Welche Maßnahmen haben die Bistümer bisher auf den Weg gebracht?

Drei große Bistümer gibt es in Hessen: Fulda, Limburg und Mainz. hr-iNFO hat sich angeschaut, welche Maßnahmen diese Bistümer bisher auf den Weg gebracht haben, um sexuellen Missbrauch zu verhindern.

Wie ernst nehmen die Bistümer den Kinderschutz und die Prävention vor sexuellem Missbrauch?

2010 hat es einen großen Missbrauchsskandal gegeben. Gleich danach haben die Bistümer reagiert: mit Schulungen zur Prävention von sexualisierter Gewalt. Zuerst für Priester, dann auch für Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen und Lehrer, Ehrenamtliche, Jugendbetreuer, et cetera.

Außerdem sind alle Pfarrgemeinden in den Bistümern aufgefordert worden, sogenannte institutionelle Schutzkonzepte zu erstellen. Sie sollten sich ganz praktisch überlegen, wie Prävention in der eigenen Pfarrgemeinde gelebt werden kann. Bis 2020 soll jede Gemeinde ein Schutzkonzept bei den Bistümern eingereicht haben.

All das ist schon auf den Weg gebracht worden, bevor die sogenannte MHG-Studie im vergangenen Jahr für viel Aufsehen gesorgt hat. Aber durch die Studie hat das Thema noch einmal einen extra Schub bekommen.

Wie sehen Veranstaltungen  aus, in denen es um Prävention geht?

Es gibt einerseits die Präventions-Schulungen für Mitarbeiter, in denen grundsätzlich über sexualisierte Gewalt informiert wird und Hilfestellung gegeben werden soll für ganz praktische Situationen. Also etwa: Setze ich mich als Jugendbetreuer auf der Kinderfreizeit aufs Bett oder nur vor das Bett, wenn das Kind Trost braucht?

Was hat diese Präventionsarbeit bisher gebracht?

Das ist schwer zu bemessen. Der Präventionsbeauftragte des Bistums Limburg hat hr-iNFO erklärt, dass es im Kontext der vielen Veranstaltungen in den vergangenen Monaten einzelne Fälle gegeben hat, in denen es neue Erkenntnisse zu alten Missbrauchsfällen gab. Die werden dann sofort an die Staatsanwaltschaft weitergereicht.

Neue Verdachtsmomente hat es kaum gegeben. Das liegt laut Bistum Fulda daran, dass die Aufmerksamkeit beim Thema Missbrauch jetzt so hoch geworden ist, dass die Luft für sexuelle Übergriffe extrem dünn geworden ist.

Wie wollen die Bistümer sicherstellen, dass die Schutzkonzepte ernst genommen werden?

Die Bistümer wünschen sich Diskussionsprozesse, dass eine präventive Haltung sozusagen in die Gemeinden „einsickert“.  Wenn die Gemeinden diesen Kulturwandel für die Bistümer nicht nachvollziehbar machen, sollen Zuschüsse gestrichen werden, etwa für die Jugendarbeit. Da setzt zumindest das Bistum Limburg den Hebel an. Das macht aber jedes Bistum ein bisschen anders.

Wie kommt das alles bei den Pfarrgemeinden an?

Die Pfarrer, mit denen hr-iNFO gesprochen hat, geben sich offen für mehr Transparenz und stehen dahinter. Aber in den Pfarrgemeinden selbst gibt es auch Unmut. Es gibt das Gefühl, dass man etwas ausbaden müsse, was andere verschuldet haben. Und es gibt den Wunsch, dass das verantwortliche Bistum besser Verhaltensregeln für alle vorgeben soll.

Die Zukunft wird zeigen, wie intensiv der präventive Weg in den einzelnen Pfarrgemeinden begangen wird. Viele beginnen erst jetzt damit.

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