Sirplus-Geschäftsführer Raphael Fellmer hält eine Avocado mit fleckiger Schale in die Kamera.
Fleckig, aber nicht schlecht: Diese Avocado kann man noch essen, urteilt Sirplus-Geschäftsführer Raphael Fellmer. Bild © picture-alliance/dpa

"Containern": So heißt das, wenn jemand weggeworfene Lebensmittel aus einem Müllcontainer rettet, die eigentlich noch gut sind. Rechtlich gesehen ist das allerdings Diebstahl. Es gibt mittlerweile aber andere Möglichkeiten, Lebensmittel zu retten, als nachts vor dem Supermarkt in der Tonne zu wühlen.

Eine junge Frau spaziert gedankenverloren durch einen Park. Unter dem Arm hat sie mehrere Baguettes – und schleudert ganz nebenbei und mit einem Grinsen im Gesicht eins davon in die Büsche. Ein junger Mann pfeffert gekonnt eine Pizza Richtung Mülleimer. Eine andere Frau holt grinsend mit einer Torte aus. Was in diesem Werbevideo der App "too good to go" ironisch rübergebracht wird, hat einen ernsten Hintergrund

 "Weltweit wird ein Drittel aller Lebensmittel verschwendet. Das heißt, dadurch werden enorm viele Ressourcen umsonst verbraucht - und leider ist das gesellschaftlich total akzeptiert", erklärt Teresa Sophie Rath in dem Video. "Es tut uns einfach nicht weh. Wir machen das ohne mit der Wimper zu zucken und denken gar nicht über die Konsequenzen nach."

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Sushi in Frankfurt, Nudelsalate in Darmstadt

Und genau da setzt "too good to go" an. Egal, ob ein Restaurant, eine Bäckerei oder ein Café: Wer bei Ladenschluss oft noch etwas übrig hat, kann das über die App anbieten. Die Nutzer können dann eine oder mehrere Portionen kaufen. Oft sind das zwar Überraschungspakete, die sind aber dafür deutlich günstiger als im Restaurant selbst.

Einmal gekauft, muss der Nutzer sein Essen nur noch zur angegebenen Zeit im Geschäft abholen. So lässt sich in Frankfurt unter anderem Sushi retten, in Kassel sind es Pralinen und Schokolade und in Darmstadt zum Beispiel Nudelsalate. Insgesamt gibt es in Hessen rund 200 solcher Angebote.

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Zum Artikel "Wir haben verlernt, Lebensmittel wertzuschätzen"

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Überschüssige Lebensmittel günstig verkaufen

Lebensmittelverschwendung ist aber nicht nur in der Gastronomie ein Problem, sondern auch im Einzelhandel. Schon auf dem Feld wird Gemüse links liegen gelassen, nur weil es krumm gewachsen ist. Und im Supermarkt fliegen Lebensmittel aus dem Regal, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum näher rückt.

Dagegen stemmt sich Raphael Fellmer aus Berlin mit seinem Startup. "Mit Sirplus schaffen wir Lösungen für die verschiedenen Akteure entlang der Wertschöpfungskette, die was übrig haben", so Fellmer. Bei den Bauern, Produzenten und Onlineshops werden Lebensmittel abgeholt - insgesamt bei inzwischen über 250 Partnern. "Wir überprüfen die überschüssigen Lebensmittel, ob sie noch genießbar sind. Und dann verkaufen wir sie für günstig", erklärt Fellmer.

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Rezeptvorschlag zur Resteverwertung

Kaufen können Kunden die Lebensmittel mit den kleinen Macken zwar nicht per App, dafür aber in einem Online-Shop. In Berlin hat Sirplus außerdem schon vier sogenannte Rettermärkte eröffnet. Damit diese Supermärkte für abgelaufene Lebensmittel auch in andere Städte kommen können, sammelt das Startup gerade Geld über eine Crowdfunding-Kampagne.

Wer Lebensmittel aus seinem eigenen Kühlschrank retten will, bevor sie anfangen zu schimmeln, für den könnte die App "Zu gut für die Tonne" vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft etwas sein. Die App einfach mit den Infos füttern, was noch im Kühlschrank ist (sagen wir: Karotten, Eier und  Speck) und schon gibt die App einen Tipp, in welchem Gericht die Zutaten noch verarbeitet werden könnten: In diesem Fall in einem gefüllten Pfannkuchen mit Bolognese. Na dann: guten Appetit!

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Zum Artikel Caro und Franzi – Lebensmittelretterinnen

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