Starlight

Von jedem Punkt der Erde aus im Internet surfen - dafür braucht es eine Flotte von Satelliten im Weltall. Das ist die Idee des Projekts "Starlink". Was nützlich klingt, bereitet anderen Sorgen.

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Weltraumwagner: Dirk Wagner udn Oliver Günther
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Im Mai 2019 hat "Starlink" es zum ersten Mal geschafft, von einer einzigen Rakete 60 Satelliten auf einmal in die Erdumlaufbahn zu setzen. Für das US-Raumfahrtunternehmen SpaceX von Elon Musk ist das ein Grund zum Jubeln. Andere aber sehen das eher skeptisch, so wie Holger Krag. Er ist Leiter des Büros für Weltraum-Rückstände – besser bekannt als "Weltraum-Schrott" – beim europäischen Weltraumkontrollzentrum ESOC in Darmstadt.

"Zum ersten Mal werden innerhalb von wenigen Jahren so viele Satelliten gestartet wie in der gesamten Geschichte der Raumfahrt davor - und das sind immerhin 60 Jahre", sagt Krag. "Da werden Bahnhöhen angesteuert, die sehr, sehr empfindlich sind. Wenn man ein Raumfahrzeug dort verliert, dann bleibt es auf alle Ewigkeit dort oben."

An sich eine gute Idee

Würden wichtige Systeme bei so einem Satelliten ausfallen und man die Kontrolle über ihn verlieren, wäre er nur noch Weltraumschrott und eine Bedrohung für andere Raumfahrzeuge. Bei Geschwindigkeiten von rund 28.000 Kilometern pro Stunde in der Erdumlaufbahn wirkt so ein Satellit wie ein Geschoss. Ein Zusammenstoß würde tausende Trümmer entstehen lassen, die wiederum eine Gefahr darstellen.

Die Starlink-Satelliten sind deshalb mit einer Art Müllabfuhr ausgerüstet. Ein elektrischer Antrieb soll sie am Ende ihrer Lebensdauer zu einem kontrollierten Absturz in die Erdatmosphäre steuern. An sich eine gute Idee, meint Holger Krag. Allerdings würden sie beobachten, "dass die Raumfahrt das bisher schon sehr mangelhaft umsetzt." Da stelle sich die Frage, ob ein Betreiber einer so großen Zahl von Satelliten, der auch noch unter kommerziellem Druck stehe, das genauso gut hinkriege "wo wir jetzt schon recht schlecht sind", sagt Krag.

Es braucht eine Verkehrsüberwachung

Aber selbst wenn man alle Satelliten noch steuern kann, steigt das Kollisionsrisiko, wenn immer mehr auf einer bestimmten Umlaufbahn unterwegs sind. Im vergangenen Jahr ist einer der Starlink-Satelliten dem europäischen Forschungssatelliten "Aeolus" gefährlich nahe gekommen. Am Ende hat die ESA ihren Satelliten aus dem Weg gesteuert. Es braucht eine gute Verkehrsüberwachung in der Erdumlaufbahn.

Und es gibt noch ein anderes Problem. Die Starlink-Satelliten sind jeweils in den Wochen nach dem Start besonders auffällig am Himmel zu sehen: eine Kette aus Lichtpunkten, die über das Firmament rast. Das stört die Beobachtungen von Astronomen, wenn sie Fotos mit langen Belichtungszeiten machen.

Je mehr Satelliten, desto größer das Problem

Die Satelliten tauchen als lange Striche auf den Bildern auf, sagt Rainer Kresken, Leiter der Starkenburg-Sternwarte in Heppenheim. "Da entwickelt sich ganz klar ein Problem, nämlich: Wenn noch mehrere Tausend von diesen Satelliten gestartet werden, dann stellen die schon eine erhebliche Beeinträchtigung der Himmelsbeobachtung dar. Man wird dann kaum eine Möglichkeit haben, eine Himmelsfotografie zu machen, ohne dass diese Strich-Spuren der Satelliten da drauf sind", so Kresken.

Auch hier gilt: Je mehr Satelliten im All sind, desto größer wird das Problem. Das weiß auch Starlink. Bei einem der neueren Satelliten wird deshalb eine dunkle Beschichtung ausprobiert. Die zeigt bislang allerdings offenbar kaum Wirkung. Nach Meinung des Weltraumschrott-Fachmanns Holger Krag braucht es für diese neuen Aktivitäten im All auch einen neuen juristischen Rahmen – hier auf der Erde.

Sendung: hr-iNFO, Aktualität, 23.1.2020, 6-9 Uhr

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