Eine Frau bringt ein Eis

Mehr als drei Millionen Menschen in Deutschland haben einen Job, mit dem sie nicht über die Runden kommen. Deshalb muss zusätzlich ein Nebenjob her. Was heißt das für die Betroffenen? Eine Multijobberin aus Frankfurt erzählt.

Die Vorfreude aufs Wochenende: Der Frankfurterin Aysun ist sie vergangenen, seit sie vor fünf Jahren einen Nebenjob angenommen hat - zusätzlich zu ihrer Vollzeitstelle. Denn seitdem arbeitet sie viele Wochen einfach durch, erzählt die 38-Jährige. "Ich bin hauptberuflich bei der LSG am Flughafen Frankfurt beschäftigt, von Montag bis Freitag, und am Wochenende arbeite ich im Nebenjob bei einer Dienstleistungsfirma."

In ihrem Hauptberuf bei der Catering-Firma LSG kümmert sich Aysun um Personalfragen, bei einem Autovermieter am Wochenende um die Verwaltung. So kommt sie oft auf eine 50-Stunden-Woche. Ihre Freundschaften pflegt sie kaum noch, ein Hobby nebenher ist undenkbar. "Aber leider Gottes reicht halt mein Lohn nicht aus als Vollzeitmitarbeiterin, deshalb muss ich – nicht an jedem Wochenende, aber an manchen Wochenenden – im Nebenjob arbeiten, damit ich überhaupt über die Runden komme", sagt sie.

Für Familien ist die Not noch größer

Dadurch hat Aysun jeden Monat etwa 250 Euro mehr in der Tasche. Geld, das sie dringend braucht, um ihren Alltag zu bewältigen. In ihrem Hauptjob verdient sie zwar 2.100 Euro brutto im Monat, aber für eine teure Stadt wie Frankfurt sei das noch wenig, meint sie: "Vor allem die Mieten haben sich wieder erhöht. Meine Miete hat sich auch erhöht, die Strompreise haben sich erhöht und damit ich mir vieles leisten kann, ein wohlhabendes Leben hinbekomme, benötige ich diesen Nebenjob."

Aysun ist alleinstehend. Wer noch dazu eine Familie zu versorgen hat, für den ist die finanzielle Not oft noch größer, berichtet Peter-Martin Cox von der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten: "Da kommt der Schulausflug, da kommen zusätzliche Beerdigungskosten – das sind Anlässe, warum Menschen zu mir kommen und fragen: Besteht nicht die Chance auf mehr Lohn?"

Eine wichtige Stellschraube ist der Mindestlohn

Denn gerade bei den großen Ketten wie Starbucks, McDonalds und Burger King verdienen viele Mitarbeiter laut Cox weit unter 2.000 Euro brutto im Monat. Oft bleibe ihnen da gar nichts anderes übrig, als sich einen Nebenjob zu besorgen. "Ich kenne mehr Menschen im Gastgewerbe, die einen Nebenjob haben, als die keinen Nebenjob haben. Das ist die Regel."

Eine wichtige Stellschraube ist für Gewerkschaft und Politik der Mindestlohn. Der beträgt derzeit 9,35 Euro pro Stunde, sollte aber deutlich höher sein, damit ein Job zum Leben reiche, meint Cox.

Sendung: hr-iNFO, Aktualität, 21.1.2020, 15-18 Uhr

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