Symbolbild: Auf einem Handydisplay ist das Menü eines Online-Casinos zu sehen.

Der Hessische Landtag hat am Donnerstag dem neuen Glücksspiel-Staatsvertrag zugestimmt. Wenn mindestens 13 der 16 Landtage in Deutschland zugestimmt haben, dann sind ab 1. Juli erstmals in ganz Deutschland Online-Glücksspiele erlaubt. Alle alten Probleme sind damit aber nicht aus der Welt.

Obwohl zurzeit Online-Glücksspiele um Geld, außer in Schleswig-Holstein, noch nicht erlaubt sind: Im Netz tummeln sich schon seit einiger Zeit Anbieter, die in ganz Deutschland im Fernsehen für sich werben. Man muss schon gute und schnelle Ohren haben, um noch diesen Satz mitzukriegen: „Nur für Personen mit Wohnsitz oder gewöhnlichem Aufenthaltsort in Schleswig-Holstein.“ Nur Personen, die in Schleswig-Holstein wohnen oder sich dort ständig aufhalten, dürfen mitspielen. Dazu muss man sich beim Anbieter mit seiner Adresse anmelden – aber wenn man jetzt schon mitzocken will, wäre man natürlich schön dumm, wenn man zum Beispiel angäbe, dass man in Hessen wohnt.

Schleswig-Holstein anscheinend größer als gedacht

Kontrolliert wird das sowieso nicht, meinte Jan Böhmermann im November in seiner Sendung "ZDF-Magazin Royale", denn würde es kontrolliert, "dann würde auffallen: 'Huch, da sind ja vier Millionen Spieler online, obwohl Schleswig-Holstein nur drei Millionen Einwohner hat'", so Böhmermann. Schwarz zocken also sowieso auch jetzt schon Spieler aus anderen Bundesländern. Es wird mit einer Übergangsregelung weitestgehend geduldet, obwohl es noch illegal ist. Die Anbieter müssen sich dazu nur an die Regeln halten, die eigentlich erst ab Juli mit dem neuen Glücksspiel-Staatsvertrag in Kraft treten.

Manche, wie der Bremer Innensenator Ulrich Mäurer (SPD), waren damit gar nicht glücklich: Er warnte vor fehlendem Spielerschutz, der Gefahr von Geldwäsche und vor einer Branche, die sich seit Jahren einfach nicht an staatliche Anordnungen halte. Die niedersächsische Glücksspielaufsicht war allerdings im letzten Jahr bundesweit gegen Zahlungsdienstleister vorgegangen, die Zahlungen für illegale Glücksspiele abgewickelt hatten. Unter anderem VISA und PayPal zogen sich laut NDR damals aus dem Markt zurück.

Und wer kontrolliert das?

Ab dem kommenden Juli aber wird es legal: Anbieter dürfen dann für Online-Automaten-Spiele, Online-Poker und für Casino-Spiele im Internet wie Roulette und Blackjack in ganz Deutschland Lizenzen beantragen. Eine der Bedingungen ist: Sie müssen dafür sorgen, dass kein Spieler mehr als 1.000 Euro im Monat einsetzen kann. Eine zentrale Sperrdatei soll Risikospieler und Jugendliche besser vor Spielsucht schützen. Dadurch soll auch verhindert werden, dass unter 18-Jährige am Glücksspiel teilnehmen.

Überwacht werden soll das alles von einer neuen zentralen Glücksspielbehörde der Länder in Halle an der Saale in Sachsen-Anhalt. Der baden-württembergische SPD-Landtagsabgeordnete Rainer Stickelberger bezweifelt allerdings, dass Online-Glückspiele von außerhalb an den deutschen Grenzen halt machen werden: "Deshalb ist meine größte Sorge: Wie können wir eigentlich diesen Online-Markt, der von außen kommt und nicht reguliert ist, in den Griff bekommen?" Jetzt müssen nur noch mindestens 13 von 16 Landtagen den Staatsvertrag ratifizieren.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 5.2.2021, 15 bis 18 Uhr

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