Bus hält an einer Bushaltsestelle an der Konstablerwache in Frankfurt
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Öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen, ist für viele unattraktiv: zu voll, zu spät, zu viel zu schleppen. Dabei würde es die Innenstädte enorm entlasten, wenn mehr Menschen das Auto stehenließen. Mit einer App wollen Forscher der Uni Kassel jetzt genau das erreichen. Das System soll Bus- und Bahnfahren komfortabler machen.

Viel los in der Straßenbahn. Die Leute stehen auf dem Gang, Rollstuhlfahrer oder Eltern mit Kinderwagen passen schon gar nicht mehr rein. Für die meisten Fahrgäste ist das ein Graus, sagt Carsten Sommer, Professor für Verkehrsplanung an der Uni Kassel: "Wenn sie zur Haltestelle kommen und können die Tram oder den Bus nicht nehmen, ist das sehr unbefriedigend."

Eine neue App fürs Smartphone soll das jetzt ändern. Die Forscher der Uni Kassel entwickeln sie gerade. Das Projekt trägt den schönen Namen "Unbeschwert urban unterwegs". In der schönen, unbeschwerten Welt soll die App den Fahrgästen schon vorher verraten, wann die Bahn oder der Bus zu voll ist. Man wolle den Gästen sagen, wie der "aktuelle Belegungsgard" aussehe und Vorschläge machen wie "nimm doch vielleicht eine Bahn später. Da sieht es noch gut aus", erklärt Sommer.

Infos über Anschlussverbindungen

Der Experte für Verkehrsplanung kennt Studien, die ihm genau verraten, wo den Fahrgästen des öffentlichen Nahverkehrs der Schuh drückt. Besonders in Großstädten wie zum Beispiel Frankfurt. Böses Blut gibt es gibt es auch, wenn die Bahnen Verspätung haben und die Fahrgäste ihren Anschluss verpassen. Auch da soll die Unbeschwert-App helfen. Der Fahrgast im verspäteten Bus soll sich über die App direkt beim Verkehrsunternehmen melden und fragen: Wie bekomme ich jetzt den Anschluss?

"Der Verkehrsverbund bekommt diese Information und sagt dann: 'Du, der nächste Bus soll fünf Minuten warten.' Oder, wenn das nicht geht: 'Tut uns leid, das klappt nicht. Aber du kannst mit einem anderen Bus später weiter fahren. Oder aber wir stellen dir ein Taxi.' Also es gibt zumindest eine Rückantwort und man kümmert sich um den Kunden", sagt Sommer.

Kurierdienst für schweres Gepäck

Auch wer mit schweren Taschen oder Koffern unterwegs ist, soll Hilfe bekommen. Und mit der App einen Kurierdienst bestellen, der sein Gepäck zum Beispiel zum Bahnhof bringt. Der Kunde selber kann dann im wahrsten Sinne unbeschwert mit der Straßenbahn oder dem Bus fahren. Doch die schöne neue ÖPNV-Welt ist noch Zukunftsmusik. Im Moment verhandeln die Kasseler Forscher noch mit Verkehrsunternehmen, berichtet Carsten Sommer: "Da darf ich noch nichts verraten. Ich denke, in einem halben Jahr wissen wir, wer mit uns zusammenarbeitet."

Ist das geklärt, soll die neue App ausprobiert werden. Zum Beispiel in Kassel. Ab 2019 könnte es soweit sein. Noch halten sich die Kasseler Verkehrsbetreibe allerdings bedeckt und wollen sich zum neuen Projekt nicht äußern. Es geht dabei natürlich ums Geld. Carsten Sommer sagt allerdings, die neue App würde die Verkehrsunternehmen nicht viel kosten: "Ich sehe keinen großen Mehraufwand an Personal. Der Nutzen wäre deutlich größer." Das Ziel: Mehr Menschen sollen in den Städten vom Auto umsteigen auf Bahn und Bus. Dank der Unbeschwert-App.

Sendung: hr-iNFO, 30.01.2018, 6:30 Uhr

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