Freiwillige Feuerwehr beim Löschen eines Brandes
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Über 95 Prozent der Feuerwehrleute in Deutschland gehören zur Freiwilligen Feuerwehr. Doch die Brandbekämpfer haben Nachwuchssorgen. Ein Überblick über Gründe, Folgen und mögliche Lösungen.

Ohne freiwillige Feuerwehren hätten Städte und Gemeinden ein Problem, sagt Werner Rinke. Es sei "ganz klar ein gesetzlicher Auftrag, leistungsfähige Feuerwehren aufzustellen und auszustatten", so der ehemalige Kreisbrandinspektor des Vogelsbergkreises. Ohne die Freiwillige Feuerwehr müsste ein Modell aufgebaut werden, das "annähernd einer Berufsfeuerwehr entspricht und das wäre finanziell nicht zu leisten."

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Dabei basiert der Brandschutz in Deutschland vor allem auf der Freiwilligen Feuerwehr. Von über einer Million Feuerwehrleuten sind noch nicht mal 30.000 Berufs-Brandschützer. Und auch in den großen Städten, in denen eine Berufsfeuerwehr existiert, gibt es daneben auch noch eine oder gar mehrere Freiwillige Feuerwehren. Dieses Modell ist weltweit nahezu einmalig und wird in vielen Teilen der Erde als beispielhaft gepriesen. Ähnlich ist es nur noch in Österreich, der Schweiz und in Polen.

"Trend zu Entsolidarisierung"

Die Gründe, warum es immer weniger freiwillige Feuerwehrleute in Deutschland gibt, sind vielschichtig. Anfangs, im vorigen Jahrhundert, schlossen sich Dorfgemeinschaften zusammen, um Feuer in ihren Dörfern zu bekämpfen. Ansonsten arbeiteten die Menschen in ihrem Ort in ihren jeweiligen Berufen. So ähnlich ist das auch heute noch, doch durch die gestiegene Mobilität der Menschen und Arbeitsplätze, die vor allem in Ballungsräumen zu finden sind, arbeiten viele freiwillige Feuerwehrleute relativ weit entfernt von ihrem Heimatort. Vielen wird es schlicht zu viel, daneben auch noch für die Brandbekämpfung zur Verfügung zu stehen.

Kinder und Jugendliche wiederum haben heutzutage eine Fülle an Betätigungsmöglichkeiten, so dass ein Engagement bei der Feuerwehr nicht unbedingt an erster Stelle steht. Und noch etwas: In den letzten Jahrzehnten sei ein "deutlicher Trend zur Entsolidarisierung zu sehen", sagt ein Feuerwehrmann aus Idstein im Rheingau-Taunus-Kreis. "Die Menschen sind nicht mehr so stark darauf fixiert, den anderen beizustehen."

Zusammenschlüsse von Feuerwehren

Aber welchen Ausweg gibt es aus der Misere? Die Zusammenschlüsse von Stadtteilfeuerwehren, vor allem auf dem Land, sind nach Auffassung von Ulf Hahne, Professor für Ökonomie der Stadt- und Regionalentwicklung an der Uni Kassel, ein gutes Mittel: "Das ist sicherlich ein Weg der Zukunft, zeigt aber die Problematik, in die uns der demografische Wandel inzwischen in den ländlichen Räumen bringt." Das sei eine große Herausforderung, sei aber der Mühe wert, "um gute Gemeinwesen zu haben und ein gutes Leben in allen Stadtteilen und Ortsteilen zustande zu bringen."

Vor allem ein sicheres Leben, denn jeder Bürger kann jederzeit in Not geraten. Aber nicht überall sind die Sorgen und Probleme zum Beispiel bei der Nachwuchsgewinnung gleich groß. In einigen Orten funktionieren Kinder- und Jugendfeuerwehren erstaunlich gut. Zunehmend engagieren sich auch Menschen mit Migrationshintergrund bei der Feuerwehr, wenn auch in geringeren Ausmaßen. Gerade wenn es um Werbung bei Kindern geht, gibt es jede Menge Projekte. Zum Beispiel in Usingen, im Hochtaunuskreis: Ein Mal in der Woche kommt die Feuerwehr in die Schule, um die Schülerinnen und Schüler für den Nachwuchs in der Feuerwehr zu gewinnen.

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