Frau und Mann sitzen neben einem Weihnachtsbaum am Laptop

Ein paar Klicks auf der heimischen Couch und der Einkauf ist erledigt: Immer mehr Deutsche entscheiden sich fürs Online-Shopping. Aber was bedeutet das insbesondere für kleinere Händler, die ihren Kunden diesen Service anbieten?

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Paketboten im Weihnachtsstress

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Das Kaufhaus Ruths in Friedberg hat Tradition. Seit über 120 Jahren können Kunden hier Kleidung kaufen. Und das geht inzwischen auch im Online-Shop. Einzelne Kleidungsstücke werden hier mit Bild und Beschreibung angeboten. Ein großer Aufwand, erklärt Geschäftsführer Jochen Ruths. "Man muss schauen: Wo bekommen wir Bildmaterial her? Im schlimmsten Fall muss man es selbst machen." Das seien komplett neue Prozesse: das Heraussuchen, das Verschicken. Der Versand koste Geld, die Retoure auch.

Aufatmen nach dem Lockdown

Und dann auch noch die Erfahrung: Bei Damenkleidung kommt 70 Prozent der online bestellten Kleidung zurück, bei Herrenkleidung 50 Prozent. Und damit viel mehr, als das Kaufhaus Ruths aus dem stationären Handel gewohnt ist. Außerdem hängt die Ware nicht bei Ruths an der Stange, während sie mit der Post zum Kunden geht und dann wieder zurückkommt. Daher gab es bei Jochen Ruths ein großes Aufatmen, als die Kunden nach dem Lockdown wieder in den Laden durften – und kräftig gekauft haben.

Sie hätten "sprichwörtlich stapelweise die Sachen rausgetragen", erzählt Ruths. "Wir hatten wirklich die glückliche Situation, dass viele danach gelechzt haben, vor Ort Menschen zu treffen und sich beraten zu lassen." Das belegen auch die Zahlen. Laut einer aktuellen Studie zum Online-Handel haben während des Lockdowns im Winter und Frühjahr alle Generationen verstärkt online eingekauft. Doch als die Läden wieder geöffnet haben, haben die meisten wieder vor Ort eingekauft. Außer eine Kundengruppe: Viele über 65-Jährige sind dem Online-Handel treu geblieben, so Christian Schulze von der Frankfurt School of Finance and Management.

Generation 65+ im Online-Shopping-Fieber

"Die Generation 65+ ist für die Online-Händler lange eine verlorene Generation gewesen", sagt Schulze. Dafür habe es einen Haufen Gründe gegeben: generelle Technikskepsis, Sicherheitsbedürfnis, fehlende praktische Erfahrung. "Das alles hat sich geändert in den Lockdowns, wo sie es machen mussten. Da hat man dann erstmalig die Technik ausprobiert, wie gut das Ganze funktioniert und wie nett es ist, wenn der Postbote das Paket an die Haustür bringt."

Genau das gilt laut dem Verband für E-Commerce im Besonderen auch beim Einkauf von Lebensmitteln. Das merkt auch Dominic Bylitza, der einen Edeka-Markt in Fürth im Odenwald betreibt. "Anfangs haben wir den Online-Shop sogar gesperrt, weil wir nicht wussten, wie wir damit umgehen - um dann langsam wieder zu öffnen. Jetzt sind wir gut aufgestellt", so Bylitzka. Einmal die Woche fahren Mitarbeiter von ihm Einkäufe aus dem Online-Shop Kunden direkt vor die Haustür. Manchen einen ganzen Wocheneinkauf.

Finanziell (noch) nicht lohnend

Bylitza merkt: Die Nachfrage wächst noch immer. Vor allem bei Älteren, für die die Einkäufe körperlich anstrengend sind. Aber vor allem eben auch in der Corona-Pandemie unangenehm sind. Finanziell lohnt sich der Bringservice für Dominic Bylitza noch nicht. Warum er es trotzdem macht: "Es ist ein gewisser Servicegedanke dahinter. Und ich glaube, dass das der Zahn der Zeit ist. Vielleicht wird es irgenwann mal so sein, dass wir damit Geld verdienen. Aber noch ist es nicht der Fall. Die Margen an den einzelnen Produkten sind nicht so groß, dass es sich lohnt."

Manche positiven Effekte erhofft sich auch Jochen Ruths für sein gleichnamiges Kaufhaus in Friedberg durch den Online-Shop. "Weil man sagen kann: Naja, ein Anteil von fünf Prozent on top verteilen wir über die Republik. Aber das sorgt auch dafür, dass unsere Kunden hier vor Ort eine bessere Auswahl haben." Und die Stilberatung vor Ort in der Filiale ist für ihn eben auch das, was sein Kaufhaus ausmacht.

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