Paketzusteller

Der Dezember vor Weihnachten ist in der Logistik-Branche ohnehin schon die stressigste Zeit im Jahr. Die Corona-Pandemie und der Lockdown verschärfen diese Situation noch weiter.

Ober-Rammstadt in Südhessen: Seit fast acht Jahren ist Robert Paketbote. Jeden Morgen sortiert er die Pakete und belädt seinen Wagen nach einem ausgeklügelten System, damit er auf der Tour möglichst schnell an die richtigen Pakete kommt. Zum Glück sind nicht alle Pakete so schwer. Der gebürtige Rumäne versucht, immer den Überblick zu haben. 200 Pakete jeden Tag: Das ist deutlich mehr als sonst. Dabei war dieses Jahr ohnehin schon besonders viel los. "Wegen Corona war sehr viel los seit März und jetzt auch noch Weihnachten – das ist fast wie zwei Mal Weihnachten. Das ist schon heftig", sagt er.

Alleine die Post-Tochter DHL transportiert jetzt in den Wochen vor Weihnachten jeden Tag über elf Millionen Päckchen und Pakete – mehr als doppelt so viele wie sonst. Und der Höhepunkt ist noch gar nicht erreicht. In diesen Wochen hat Robert eine kürzere Tour durch Ober-Rammstadt, sonst wäre es gar nicht zu schaffen. 10.000 Aushilfen müssen mit anpacken.

Zehn Stunden pro Tag Pakete schleppen

Robert kennt die Tour und seine Kunden genau. Kaum in die nächste Straße eingebogen, sieht er eine Frau aus dem Haus kommen. Er bremst. Jetzt muss er das richtige Paket finden und schnell sein. Denn die Frau geht schon wieder weg – und das darf nicht passieren, denn das kostet Zeit. Im Gehen scannt Robert das Paket ein und läuft der Frau hinterher. Das hat gerade noch geklappt.

Er hofft, dass die nächste Kundin da ist. Wobei es bei dieser Kundin nicht so schlimm wäre. Hier kann er das Paket an der Tonne ablegen. Das macht es einfacher für ihn, weil es schneller geht: kein Warten bis jemand die Tür aufmacht, kein Suchen nach Nachbarn, die das Paket annehmen, keine Benachrichtigung ausdrucken, wo das Paket abgegeben wurde. An der nächsten Tür muss Robert dann doch warten. "Normal ist sie immer da. Das habe ich jetzt Pech", sagt er. Aber die Nachbarn nehmen das Paket zum Glück an. Doch noch mal gut gegangen.

Zu erschöpft um mit dem Sohn zu spielen

Bis zu zehn Stunden pro Tag schleppt Robert Pakete – anstengend, stressig – und trotzdem macht er den Job gerne. "Ich weiß nicht, ob das mein Traumjob ist. Aber ich mache das gerne. Ich möchte gar nicht tauschen mit einem anderen Job", sagt er. Und schon geht es weiter, das richtige Paket suchen. Die Tour ist noch lange nicht zu Ende und schnell geht es nur, weil er alle Tücken genau kennt. Er weiß, bei wem er die Pakete wo ablegen oder wie er überhaupt auf sich aufmerksam machen kann. Am nächsten Haus geht er gar nicht erst zur Tür, um zu klingeln: "Ich klopfe am Fenster, weil die Klingel geht nicht."

Jetzt, in der Vorweihnachtszeit gibt es auch ein paar kleine Geschenke oder mal einen Briefumschlag mit Trinkgeld für den Paketboten – für die Plackerei hat er es sich aber auch verdient. Denn es werden längst nicht nur Weihnachtsgeschenke verschickt. "Ich denke, das ist Hundefutter. Das ist immer so schwer", sagt er.

Am Abend, erzählt Robert, ist er im Moment oft zu erschöpft, um noch mit seinem Sohn zu spielen. Aber bald ist Weihnachten, dann ist auch für ihn die stressigste Zeit im Jahr wieder vorbei. Bis dahin geht es aber immer weiter, Paket um Paket.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 18.12.20, 6-9 Uhr

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