Ein Paketzusteller trägt mehrere Pakete.
Bild © Colourbox.de

Seit Jahren boomt das Geschäft mit den Paketen. Doch verdi-Chef Bsirske hat den Paketdiensten vorgeworfen, es herrsche Lohndumping und Schwarzarbeit. Die Branche fühlt sich zu unrecht an den Pranger gestellt.

Andrea Kocsis ist bei verdi für Paketdienstleister zuständig. Sie sagt, immer wieder gebe es Fälle, in denen Paketzusteller unter schlechten Arbeitsbedingungen litten, Sozialabgaben würden nicht gezahlt. "Wir hatten überlange Arbeitszeiten, der Mindestlohn wurde nicht gezahlt und das mit zunehmendem Anteil", ergänzt sie. Die Gewerkschaft bescheinigt lediglich DHL und UPS, die Paketflut weitgehend mit eigenen Zustellern, die auch nach Tarif bezahlt werden, zu bewältigen. Die anderen großen Paketdienstleister Hermes, DPD und GLS haben nach eigener Auskunft gar keine oder nur sehr wenige eigene Zusteller.

Hermes beispielsweise arbeitet mit rund 300 externen Transportunternehmen zusammen, deren Fahrer die Pakete zustellen - bis zu 95% aller mit Hermes verschickten Pakete. DPD, nach eigener Auskunft die Nummer 2 in Deutschland hinter DHL, hat gar keine eigenen Zusteller. Stattdessen arbeiten rund 1000 Transport- und Logistik-Firmen mit 11.000 Zustellern für DPD. Tiny Hobbs von verdi ist Betriebsrat bei DHL in Offenbach – für ihn ist klar, warum viele Paketdienstleister kaum eigene Zusteller und Fahrer haben: "Das ist für die am einfachsten, am lukrativsten, müssen keinen Urlaub planen und werden nicht von Gewerkschaften daran erinnert, dass sie sich an Regeln halten müssen".

Großes Potenzial für Schwarzarbeit 

Die 'Finanzkontrolle Schwarzarbeit' des Zolls hat Anfang Februar bundesweit über 12.000 inländische und ausländische Fahrer befragt. Außerdem wurden über 350 kleine und mittelständische Transportunternehmen, die für die großen Paketdienstleister arbeiten, überprüft. Beteiligt war auch das Hauptzollamt (HZA) Gießen, das schriftlich mitteilte: "Wir haben es in der Kurierdienstbranche überwiegend mit Subunternehmern zu tun, die für nahezu alle großen Unternehmen unterwegs sind. Hier besteht aus unserer Sicht ein großes Potenzial für alle möglichen Facetten von Schwarzarbeit."

Allein bei den Kontrollen in Kassel, Fulda und Bad Hersfeld wurden fast 600 Fahrer und 56 Unternehmen überprüft. Vorläufiges Ergebnis: Fünf Fahrer hatten nicht die notwendigen Arbeitspapiere, zehn waren nicht ordnungsgemäß sozialversichert und in sieben Fällen gab es Hinweise, dass der Mindestlohn unterschritten wurde. Allerdings müsse in vielen Fällen noch geprüft werden, ob alles mit rechten Dingen zuging.

Für Subunternehmen haften

Dabei geht es laut HZA Gießen vor allem um die Frage, ob Mindestlohn gezahlt wurde oder nicht. Allein das HZA Köln hat bei 220 von 540 überprüften Fahrern Hinweise auf Verstöße gegen den Mindestlohn festgestellt. Allerdings sind die Auswertungen noch lange nicht abgeschlossen. Marten Bosselmann, Vorsitzender des Bundesverbandes Paket und Expresslogistik, wehrt sich gegen einen Generalverdacht: "Wenn es möglicherweise schwarze Schafe gibt, ist es nötig das zu klären. Wir arbeiten mit Behörden zusammen, unsere Position ist: Wir dulden solche Sachen nicht".

Hermes beispielsweise teilt schriftlich mit, man lasse sich von den Transportunternehmen, die die Auslieferung der Pakete übernehmen, zusichern, dass sie sich an gesetzliche Vorgaben und damit natürlich auch an den Mindestlohn halten. Andrea Kocsis von verdi reichen solche Bekenntnisse nicht aus: "Deswegen ist es richtig, dass die großen Paketdienstleister, die die Aufträge an Subunternehmer vergeben, jetzt mit in die Haftung für die Arbeitsbedingungen müssen". Konkret: Arbeitsminsiter Heil plant strengere Regelungen. Die großen Paketdienstleister sollen verantwotlich sein, wenn ihre Subunternehmer beispielsweise nicht den Mindestlohn zahlen oder keine Sozialabgaben abführen.

Sendung: hr-iNFO, 07.3.19, 06:10 Uhr

Jetzt im Programm