Ein Schwarm Tauben vor der Frankfurter Paulskirche

Durch die Investition einer zweistelligen Millionensumme soll die Frankfurter Paulskirche saniert und zum nationalen Symbol für Demokratie und Meinungsfreiheit aufgewertet werden. Wir erklären, warum sie ein Gebäude mit großer Geschichte ist.

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hr-iNFO-Programmchefin Katja Marx
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Mitten im Herzen Frankfurts erklingen die Glocken der Frankfurter Paulskirche. Sie ist gut erkennbar an ihrem klassizistischen Rundbau, den roten Sandsteinwänden und der hellgrünen Kuppel. Der Architekt Johann Friedrich Christian Hess baute die Frankfurter Paulskirche 1833 zu Ende. Fast 100 Jahre lang wurden hier die wichtigsten evangelischen Gottesdienste gefeiert.

Aber die Paulskirche macht sich vor allem 1848 bis 1849 einen Namen. Monatelang diskutieren und streiten hier knapp 600 Abgebordnete: Es ist das erste gesamtdeutsche Parlament, das hier in der Frankfurter Paulskirche tagt, mitten in der deutschen Revolution. Aus einer Plenardebatte der Delegierten der Frankfurter Nationalversammlung heißt es damals: "Um das deutsche Staatsschiff aus den Wogen der Revolution nach den Mauern einer tüchtigen Konstitution hinzusteuern, müssen alle Segel aufgespannt, alle Ruder in Bewegung gesetzt werden."

Symbol der demokratischen Bewegung

Die Frankfurter Nationalversammlung setzt einiges in Bewegung, sie arbeitet eine Verfassung aus und verabschiedet einen ersten Entwurf der Grundrechte des deutschen Volkes. Als Kulisse hängt in der Frankfurter Paulskirche über der Orgel ein Bild der Reichsgöttin Germania, der Reichsadler ziert den Altar.

Die Paulskirche in Frankfurt

Der preußische König Friedrich-Wilhelm IV erkennt das Parlament nicht an, die Frankfurter Nationalversammlung löst sich auf. Trotzdem geht die Paulskirche neben dem Hambacher Schloss als das Symbol der demokratischen Bewegung in Deutschland in die Geschichte ein.

Zerstörung der Paulskirche

Von einer Demokratie ist Deutschland während des Zweiten Weltkrieges allerdings noch weit entfernt. Nach einem Luftangriff auf die Frankfurter Altstadt wird die Paulskirche stark zerstört und brennt aus. Nach dem Zweiten Weltkrieg wird sie als erstes historisches Gebäude in Frankfurt wieder aufgebaut - mit Spenden aus ganz Deutschland. Die Säulen und großen Emporen der Paulskirche verschwinden, innen sieht die Dekoration schlicht aus.

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Als am 18. Mai 1948 das 100-jährige Bestehen der Frankfurter Nationalversammlung gefeiert wird, gilt dieses Fest als Wiedergeburt der deutschen Demokratie. In der kühlen Halle und der lichtdurchfluteten Kuppeldecke der Paulskirche wird eigens für diesen Anlass das Frankfurter Konzert 1948 uraufgeführt. 

John F. Kennedy in Frankfurt

Seit dem Wiederaufbau ist die Frankfurter Paulskirche der zentraler Gedenk- und Versammlungsort in Frankfurt, gilt auch als Symbol des Friedens. Der US-Präsident John F. Kennedy verewigt sich 1963 ins Goldene Buch der Stadt Frankfurt und bezeichnet die Paulskirche als Wiege der deutschen Demokratie. Am Römerberg wird er von tausenden Menschen bejubelt. Er bewundert das friedliche Zusammenleben der Frankfurter.

Viele Politiker, Künstler, Wissenschaftler und engagierte Menschen standen in der Frankfurter Paulskirche am Rednerpult, direkt unterhalb der Orgel. Sie haben Auszeichnungen und Preise entgegen genommen, darunter der Friedensnobelpreisträger Michael Gorbatschow, der Dalai Lama oder die erst kürzlich verstorbene jüdische Philosophin Ágnes Heller. Der Geist von Versöhnung, Hoffnung und Aufbruch ist im weiten Oval der Frankfurter Paulskirche immer noch spürbar.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 21.8.2019, 6 bis 9 Uhr

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