Anzeigetafel der Bahn über Zugausfälle und Verspätungen
Anzeigetafel der Bahn über Zugausfälle und Verspätungen Bild © picture-alliance/dpa

Für Verspätungen und Ausfälle bei Bus und Bahn gibt es viele Gründe. Von einem erfahren die Kunden jedoch nur selten: dass es an Personal mangelt. Auch in Hessen ist das ein Problem. Was will die Branche dagegen tun?

In Darmstadt fahren neun Straßenbahnlinien durch die Stadt - zumindest normalerweise. Im Moment ist die Linie 1 gestrichen. An den Haltestellen weisen orangefarbene Zettel daraufhin hin, dass die Linie fast drei Monate lang tagsüber eine Pause einlegt. Silke Rautenberg vom städtischen Betreiber Heag mobilo erklärt, warum: "Wir haben in der Straßenbahnwerkstatt zu wenig Fachkräfte, insbesondere Elektriker und Mechatroniker, die sich um die Wartung und Instandhaltung kümmern." Damit man mehr Handlungsspielraum habe, habe man beschlossen, die Linie 1 bis Mitte April einzustellen.

ÖPNV-Ausbau politisch lange kein Thema

Für die Werkstatt werden im Moment neun neue Mitarbeiter gesucht – und der Personalmangel ist nicht nur in Darmstadt ein riesen Problem. In und um Frankfurt sind Anfang der Woche reihenweise S-Bahnen ausgefallen, weil ein Fahrdienstleiter im Stellwerk krank geworden ist. Laut Bahn ist es schwierig, in solchen Fällen kurzfristig Kollegen zu finden, die einspringen. Im Regionalverkehr bekamen das im letzten Jahr auch Kunden der Hessischen Landesbahn zu spüren: Monatelang waren vor allem in Mittelhessen Züge ausgefallen, weil das Unternehmen zu wenig Lokführer hatte.

Ein zentrales Problem der Branche ist, dass der Ausbau des ÖPNV inklusive neuem Personal politisch lange kein Thema war, erklärt Matthias Kalbfuss, Geschäftsführer der Darmstädter Heag mobilo und Landesvorsitzender des Verbands der Deutschen Verkehrsunternehmen (VDV): "Wir haben lange Jahre bei den ÖPNV-Unternehmen über Kosten gesprochen: Geht das nicht auch billiger? Seit zwei Jahren haben wir eine andere Situation: Themen wie wachsende Städte, Luftreinhaltung – da wird der ÖPNV als Problemlöser gesehen. Wir bekommen heute Anforderungen, die wir nicht mehr hatten: nämlich den ÖPNV auszubauen."

74.000 Stellen wiederzubesetzen

Nach einer VDV-Studie müssen deutschlandweit in den nächsten Jahren 74.000 Stellen wiederbesetzt werden: Fahrer, Mechatroniker, IT-ler oder Bauingenieure. Die Konkurrenz um gut ausgebildete Fachkräfte ist groß, viele Bewerber entscheiden sich lieber für Jobs in der Industrie – die zahlt meist mehr. Um neue Mitarbeiter zu finden, bilden immer mehr Verkehrsbetriebe selbst aus und setzen auf Imagekampagnen.

In Darmstadt werben zum Beispiel die eigenen Busfahrer im Betrieb für ihren Berufsstand. In Form von großen Aufklebern auf den Stadtbussen. "Wir nutzen die Mitarbeiter als Headhunter, um Fachkräfte anzusprechen. Und das hat bei uns auch zu Erfolg geführt, dadurch haben wir einige neue Mitarbeiter gewinnen können", erzählt Rautenberg. Bald soll es auch eine landesweite Kampagne geben. Die Verkehrsverbände entwickeln im Moment gemeinsam mit den Verkehrsverbünden und dem hessischen Mobilitätsbeauftragten Ideen, um für Jobs in der Branche zu werben.

Sendung: hr-iNFO, 1.3.2019, 6.10 Uhr

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