Eine Krankenschwester in einem Krankenhaus.

Die Corona-Pandemie hat es deutlicher gezeigt denn je: Ohne soziale Berufe wie Alten- oder Krankenpfleger würde unsere Gesellschaft nicht funktionieren. Die Rufe nach mehr Wertschätzung sind bisher weitgehend folgenlos geblieben. In einem Punkt macht sich die Pandemie aber doch bemerkbar.

Amanuel Dinkale hat erst am 1. Oktober seine Ausbildung zum Pflegefachmann begonnen. Im Hufeland-Haus in Frankfurt. Corona hat für ihn dabei keine Rolle gespielt, erzählt er: "Die Entscheidung war völlig unabhängig davon. Ich habe die Entscheidung bewusst getroffen, weil das Hufeland-Haus einen guten Ruf hat, und zwar bundesweit." Auch Laura Müfense und Zuraz Adigari haben in diesem Jahr ihre Ausbildung in der Pflege gestartet, sie sind seit Anfang April dabei – seit dem ersten Lock-Down.

Das Corona-Virus hat die Arbeit in den Heimen nicht leichter gemacht, erzählt Laura, und habe auch nicht zu besseren Arbeitsbedingungen geführt: "Es ist noch das Gleiche wie früher, die Leute müssen immer noch viel arbeiten, es hat sich nichts geändert." Für Zuraz Adigari war von Anfang an klar: In der Pandemie geht es noch mehr um die Gesundheit von Menschen. Viel Zeit, sich Sorgen zu machen habe er in der Pflege nicht: "Wir sind jetzt in einem systemrelevanten Beruf, aber wenn wir nur darüber denken, funktioniert das nicht. Wir arbeiten für die Menschen und wir denken viel für die Mitmenschen."

Hoffnung auf mehr soziale und ökonomische Wertschätzung

Pfleger sind bei ihrer Arbeit oft mit dem Herzen dabei, erzählen alle drei. Ein Grund für sie, diesen Beruf zu lernen. Nicht ein hohes Gehalt motiviert sie, sondern weil sie gerne mit Menschen arbeiten. Laura erzählt eine Geschichte von ihrem ersten Praktikum im Altenheim. Damals hat sie es geschafft, zu einer Bewohnerin, die als schwierig galt, eine enge Beziehung aufzubauen. Das hat sie letztlich motiviert, Pflegerin zu werden: "Die meisten Leute konnten sie nicht verstehen. Und ich konnte mit ihr kommunizieren und fragen: 'Was willst du?' Am Anfang haben die anderen Leute gesagt: 'Die Frau ist so schwierig, du kannst nicht mit ihr arbeiten.' Aber als ich reinging hat alles wie Zauber funktioniert. Und dann wir sind Freundinnen geworden."

Mehr Gehalt würden sich alle drei Pflegeauszubildenden trotzdem wünschen. Und vor allem mehr Respekt. Denn in einem sind sie sich einig: Corona habe weder an der harten Arbeitsbelastung noch am Image des Pflege-Berufs wirklich etwas geändert, sagt Amanuel Dinkale: "Klar wird aktuell über Wertschätzung auch in den Medien viel gezeigt, dass die Leute den Pflegenden zujubeln. Aber das System an sich, die Arbeitsbedingungen für Pflegende, hat sich nicht groß gewandelt." Er hoffe, dass der Beruf auch "endlich mehr soziale und ökonomische Wertschätzung erfährt".

Die neue generalistische Pflege-Ausbildung, die seit Anfang des Jahres gilt, ist für die drei ein Schritt in die richtige Richtung. Man muss sich jetzt nicht mehr schon zu Beginn festlegen, in welchem Bereich der Pflege man später arbeiten möchte, sondern wird erst einmal allgemein, eben generalistisch, ausgebildet. Der Abschluss ist europaweit anerkannt und "zudem gibt es viele Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten, zum Beispiel als Intensivpfleger und Anästhesie. Und natürlich macht die Jobsicherheit den Beruf attraktiv", sagt Amanuel Dinkale. Und da hat die Corona-Epidemie dann doch noch einen Einfluss. Die Nachfrage nach gut ausgebildeten Pflege-Fachkräften ist so hoch wie nie.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 7.12.2020, 6 bis 9 Uhr

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