Urlauber am Strand von Barcelona
Urlauber am Strand von Barcelona Bild © picture-alliance/dpa

Worüber viele Urlauber schon lange die Nase rümpfen, nervt zunehmend auch Einheimische: Massentourismus. Auf der Reisemesse ITB sucht die Branche nach Lösungen. Wo sind die Hotspots und was lässt sich dagegen tun?

Heinz ist mehrmals im Jahr auf Mallorca und kennt Land und Leute sehr gut. Er beobachtet den Tourismus auf der Insel seit vielen Jahren. Auf Mallorca sei es mittlerweile viel zu voll, sagt er. Die Stimmung sei schlecht, die Insel vertrage das nicht: "Im Sommer reichen die Ressourcen einfach nicht, die Straßen sind überfüllt, das Wasser wird zum Ende er Saison knapp." Wird das Wasser rationiert, leiden zunächst die Bewohner der Dörfer im Landesinneren leiden - "damit die Touristen noch duschen können."  

Wie auf Mallorca ergeht es vielen beliebten Touristenorten: zu viele Urlauber zum selben Zeitpunkt am selben Ort. Doch beim "Overtourismus" geht es nicht nur um überfüllte Hotels und lange Schlangen vor Sehenswürdigkeiten. Die Probleme gehen tiefer, sagt Harald Zeiss, Experte für nachhaltigen Tourismus. Beispielsweise könnten sich Naturparls nicht mehr regenerieren, weil zu viele Besucher da sind, oder Bilder in Gräbern in Ägypten würden zerstört durch die Atmung der Gäste.

Paradebeispiel Barcelona

Doch auch emotionale Kriterien spielen eine Rolle. Etwa wenn sich Einheimische in ihrer eigenen Stadt nicht mehr wohl fühlen, weil ihre Heimat mehr und mehr zu einem "Freizeitpark" verkommt. Ein anderes Problem sind zudem hohe Mieten und zu wenig Wohnraum – weil Eigentümer ihre Apartments beispielsweise über Airbnb teuer an Urlaubsgäste vermieten können.  

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Die Consultinggesellschaft McKinsey hat den extremen Tourismus auch anhand der Besucherdichte beschrieben: Tummeln sich mehr als 930.000 Touristen – im gesamten Jahr - pro Quadratkilometer, dann sei ein Ort überfüllt! Infrastruktur und die Natur seien dann gefährdet - und das Gedränge zu groß.

Wo es aktuell am schlimmsten ist mit den Reisenden, erklärt Harald Zeiss: "Das Paradebeispiel ist Barcelona, aber wir sehen es auch an Berlin." Ein weiteres Beispiel sei Dubrovnik, die kleine Stadt an der Adria in Kroatien, die im Sommer von sehr vielen Kreuzfahrtschiff-Touristen besucht wird. "Dort sind die Verantwortlichen schon so weit, dass sie die Zahl der Gäste beschränken, die Zugang zur Altstadt bekommen.“  

In Zukunft ist damit zu rechnen, dass der Massentourismus noch zunimmt. Spanien zum Beispiel hat letztes Jahr rund 82 Millionen Gäste verzeichnet – ein deutliches Plus und damit Rekord. Betroffene Regionen müssen sich also überlegen, wie sie mit dem Ansturm umgehen: Mallorca erhebt bereits eine Touristenabgabe, eine Art Ökosteuer. Höhere Preise für Attraktionen und begrenzte Besucherzahlen sind weitere Stellschrauben. Doch es gilt auch unbekanntere Orte oder Sehenswürdigkeiten im Marketing mehr zu bewerben, um die Besuchermassen letztlich besser zu verteilen.

Sendung: hr-iNFO, 8.3.2018, 16:10 Uhr

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